Die kalifornische Apogee gilt als eine der führenden Fabriken für edelste Studio-Elektronik. Ihr jüngstes Produkt, Rosetta 200 (1400 Euro + 300 Euro für den FireWire-Einschub), strotzt nur so vor technischen Innovationen.


Kein Serien-Rechenschaltkreis genügte den klanglichen Ansprüchen der Profis von Apogee. Kurzerhand ließen sie sich eigene Vorschriften einfallen und verewigten sie im Digitalen Sig­nalprozessor des Rosetta 200.

Er upsampelt nicht nur die Daten auf 192 Kilohertz. Wichtiger noch, er macht auch ein besonders klangschonendes Downsampling, um 48- oder 92-kHz-Mastersignale ins CD-Format zu übersetzen. Die von Apogee „Coda“ getauften Klangwerkzeuge beinhalten auch ein raffiniertes „Dithering“, das 24-Bit-Worte ohne nennenswerte Fehler auf 16 Bit abrundet.

Eine zweite Stolperfalle räumt Apogee bei der A/D-Wandlung im Analogpfad aus dem Weg. Das Problem: Schon bei gerings­ten Übersteuerungen des Signals drohen auf der Digitalebene drastische Verzerrungen; steuert der Toningenieur zu vorsichtig aus, verschenkt er Dynamik. Mit einer intelligenten, vom erwarteten Digitalsignal aus gesteuerten analogen Pegelregelung (vergleichbar „Soft-Clipping“) fährt der Rosetta 200 Spitzen blitzschnell zurück und schafft somit beste Voraussetzungen für eine verzerrungsfreie A/D-­Wandlung. Absolut professionell: Sogar die Schwelle, ab der die Regelung greifen soll, ist dabei einstellbar.

Eine weitere Voraussetzung für exzellente Klangqualität sehen die Kalifornier in der Minimierung von zeitlichen Unpässlichkeiten im Taktsignal (Jitter). Apogee lagert die Daten in einem Silo zwischen und – einzigartig – benutzt zum Ein- und Auslesen zwei Taktgeber. Ein schnell reagierender „Read“-Clock mit großem Fangbereich füllt den Puffer, ein eng tolerierter  „Write“-Takt liest die Daten.

Die Turbo-Jitterreduzierung hilft nicht nur bei der Wieder­gabe, sondern garantiert auch  hervorragende Digitalaufnahmen. Dazu unverzichtbar: das optio-nale FireWire-Interface, das den Rosetta 200 an den Rechner andockt und im Gegensatz zu USB ­verzögerungsfrei agiert.

In den Hörtests begeisterte der Apogee als Netzwerkspieler mit kristallklarer Durchzeichnung über den gesamten Frequenz­bereich von High-Resolution-Downloads. Er grenzte die Interpreten rassiermesserscharf ab, gab sich dabei in den Höhen samtig und geschmeidig, und entlud, wenn gefordert, gewalttätige Bassattacken. Die Abbildung stimmte nicht nur in der Breite, sondern auch in der Tiefe. Bei niedrigen Datenraten fehlte wie erwartet etwas Aura; den Testern gelang es aber nicht, einen Unterschied zwischen 96-kHz-Master und Downsamp­ling auf 48 Kilohertz dingfest zu machen.

Er wandelte als D/A-Konverter die CD-Spieler-Daten so locker und gelassen, so konturiert im Bass und mit sensationeller Vorne/Hinten-Ortbarkeit, dass er sich letztendlich den alleinigen Referenz-Orden verdiente.

Als konventioneller Wandler konkurrenzlos, können ihm als Netzwerk-Player nur erheblich teurere Typen Paroli bieten.

Hans-Ulrich Fessler 29.08.2008

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