Schöne Front hin oder her: Dem GamuT-Chef Lars Goller kam es beim DI 150 (9200 Euro) weniger auf Schicki-Micki als auf echte technische Werte an.


Nicht nur mit dem Preis von stolzen 9200 Euro, sondern auch mit seinen zwei echten symmetrischen Eingängen, deren Minuspole hinter der Rückplatte nicht etwa verschämt zur Masse, sondern zu vollwertigen Schaltungskreisen führen, zeigt der DI 150 von GamuT, in welcher Anlagen-Klasse er spielen will.

Dank koaxialer sowie symmetrischer Pre-Outs nimmt er eben dort auch die Rolle einer edlen Vorstufe ein. Wenn es sein muss, hilft er auch bei Surround aus. Dafür gibt es neben den konventionellen Cinch-Eingängen einen namens „HTH“, über den die von einer Decoder-Vorstufe angelieferten Signale am Lautstärke-Potentiometer vorbeigeführt werden können.

Vollverstärker GammuT DI 150Foto: Julian Bauer
Die urgewaltigen Höchststrom-Endtransistoren des GamuT DI 150 sitzen auf den Kühlrippen-Seiten jeweils ganz vorne und ganz hinten.
Das Innenleben des Dänen verrät – auch mit der hemds­ärmeligen Verschraubung der Anschlussdrähte mit den Hauptelkos – jede Menge Handarbeit. Und mit dem durchgehenden Doppel-Mono-Aufbau Großzügigkeit. Dabei kaufte GamuT die insgesamt vier großkalibrigen Energiespeicher mit insgesamt 64 000 Mikrofarad beim renommierten schwedischen Hersteller Rifa ein. Die gigantischen, in Kunststoff vergossenen Netztrafos stammen vom Spezialisten Toroid.

Die Auslegung der Ausgangsstufen schlägt dem Fass schließlich den Boden aus. Der DI 150 besitzt pro ­Kanal zwei mehr oder minder konventionelle Trans­istor-Gegentaktschaltungen, die in Brückenanordnung schon eine Box ernähren könnten.

Beim DI 150 treiben diese aber erst mal zwei mit Schraub­anschlüssen bewehrte Industrie-Großtransistoren namens APT 20 M 19 an. Denen bescheinigt das Datenblatt eine Strom-Spitzenbelastbarkeit von sage und schreibe 448 Ampere; ein Pärchen dieser Halbleiter knetet ergo auch den allerhalsstarrigsten Schallwandler weich.

In der Praxis stimmt „weich“ nur in sofern, als sich der DI 150 an beliebigen Boxen jegliche Schärfe verkneift. Ansonsten hat GamuT den erzkräftigen Verstärker, der selbst bei brachialsten Pegeln in der Spur bleibt wie auf Schienen, nicht nur auf „Musik konsumieren“, sondern auf umfassende, direkte Hör­erlebnisse getrimmt.

Das jedenfalls war der Eindruck, den der GamuT schon bei den ersten Takten Musik vermittelte. Zum Beispiel bei dem zeitlos überragend klingenden „Limehouse Blues“ des „Jazz At The Pawnshop“, den die Hörtester wegen des bevorstehenden stereoplay-Jubiläums im Mai ausgegraben hatten. Die Live-Atmosphäre dieser Aufnahme ist einmalig. Hier spielt nicht nur die Musik eine Rolle, sondern auch all die vielen ­kleinen und großen Nebengeräusche. Der GamuT schaffte es völlig stressfrei, jede Einzelheit präzise aufzufächern, sie regelrecht atmen zu lassen. Aber auch die federnde Leichtigkeit, mit der er die Bass-Saiten schnalzen oder die Becken ausklingen ließ, war unerhört.

Dabei agierte der Däne im Bass und Grundton absolut ­präzise und schlackenfrei – was in den Stimmlagen zunächst etwas nüchtern, aber keineswegs distanziert klang. Denn bei wirklich bassintensiven Stücken wie dem „Tuva Rap“ ( Titel-CD 5/07) zeigte der Däne die Vorzüge dieser Abstimmung: Mit solcher Wucht und zugleich ­solcher Durchhörbarkeit hatten die Tester die Bassdrums bislang nur ganz selten gehört. Dass er auch bei Pegelorgien nie die Übersicht verlor, rundete das Bild endgültig ab: Mit dem DI 150 gelang GamuT eine Welt-­Spitzenleistung.

Holger Biermann, Johannes Maier 15.03.2008

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