Pass INT 150
Bei seinem jüngsten Verstärker INT 150 (7200 Euro) wagte es Pass erstmals, Vor- und Endstufe in ein gemeinsames Gehäuse zu stecken. Kommt da so viel raus wie aus den berühmten separaten Amps?
Foto: Julian BauerDer INT 150 sehnt sich nach symmetrischer Ansteuerung. Bei (Not-)Gebrauch der Cincheingänge 1 oder 2 sollten Bügel den Minuspol der entsprechenden XLR-Kontakter nach Masse kurzschließen. Achtung bei den Boxenklemmen: Sie sind beide heiß.
Na ja, vier Hochpegeleingänge und ein Pre-Out, wobei neben den Cinch- auch alternativ einzusetzende symmetrische Buchsen zur Verfügung stehen: Die Ausstattung reißt ihn auch nicht vom Hocker. Ihn beeindrucken höchstens der gigantische, gefühlt und gemessen für über 800 Watt gute Netztrafo und die Seitenwand-Formationen von summa summarum 40 kernigen Endtransistoren.
Den wahren Wert eines Pass-Verstärkers erahnt aber nur der Kenner. Einer, der weiß, dass die im kalifornischen Foresthill ansässige Firma seit ihrer Gründung im Jahre 1991 keine Mühe und keinen Aufwand scheut, um einerseits eine besonders nachdrückliche und andererseits eine super symmetrische wie unumwunden direkte und somit möglichst natürliche Verstärkung zu suchen.
Foto: Julian BauerVon den Eingangsrelais (gelb) bis zu zwei Endstufen pro Kanal akribisch doppelpolig aufgebaut: Pass INT 150. Die Spannungsanhebung findet auf den beiden Steckplatinen statt.
Diese eilen dann jeweils links und rechts zu zwei wie Bild und Spiegelbild aufgestellten Endstufen, deren Feldeffekt-Endtransistoren dank vom Stromkanal isolierter Lenkelektroden relativ leicht auszusteuern sind. Und die dann die angeschlossenen Boxen – mit je einer Abteilung für Plus und einer für Minus, also nach dem Brückenprinzip – umso entschlossener an die Kandare nehmen.
Foto: Julian BauerDie blauen Trimmpotentiometer dienen der Justage der Verstärkung und der Symmetrie.
Ebenso ein reiner HochÂgenuss, mit dem Pass Stimmen zu folgen: etwa der pausbäckig-süßen von Vienna Deng oder der südländisch-männlichen von Juan Carlos Cáceres (stereoplay-SACD „Ultimate Tunes“).
Dickes Lob erntete der INT 150 auch für leuchtende und schwebende Vibraphon-Klänge oder für intensiv sengende Bluesgitarren. Erst ganz oben, quasi schon an dünner Luft, zeigte ihm etwa ein ansonsten untenrum zaghafterer Pathos Logos (12/05, 56 Punkte) seine Grenzen auf: Der Italiener sorgte für noch mehr Licht und feine Aura. Fest steht: Auch der Doppel-Pass besitzt schon das Klangformat der separaten Großen.
Johannes Maier 03.07.2008
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