T+A BD 1260 R
T+A wagt sich als einer der ersten „kleinen“ Highender mit dem T+A BD 1260 R (5000 Euro) an einen eigenen Blu-ray-Player. stereoplay durfte das deutsche Debüt exklusiv testen.

Filter mit endlicher Impulsantwort (finite impulse response, kurz FIR-Filter)halten den Amplitudenfrequenzgang und die Phase konstant, ein Teil der Impulsenergie verteilt sich aber auf Ein- und Ausschwingvorgänge.
T+A hat mit knapp 100 Mitarbeitern und einem Stamm von gut 10 Entwicklern eine ausreichende Größe, um mit einem internationalen Netzwerk aus Lizenzgebern, Baugruppenlieferanten und deren Ingenieurshundertschaften agieren zu können. Außerdem sind die Herforder schlicht finanziell potent genug, um alle notwendigen Lizenzen erwerben zu können. Genaue Zahlen nennt natürlich niemand, aber sie entsprechen alleine für den BD 1260 R den Jahresgehältern mehrerer Entwicklungsingenieure. Ein Wagnis, aber es könnte sich für T+A lohnen.

Dr. Pierre Bézier war Entwickler für Konstruktionssoftware bei Renault. Der Mathematiker erfand die Bézier-Kurven, die mit sehr wenigen Parametern auskommen. Diese Filter erhalten die Impulse zu Lasten des Frequenzgangs.
T+A: kein OEM-Gerät
Heraus gekommen ist ein eigenständiger Player, ein echter T+A. In Zusammenarbeit mit Chiphersteller Broadcom, Board-Entwickler StreamUnlimited und Laufwerkhersteller LiteOn entstand eine individuelle Lösung und nicht einfach eine OEM-Plattform mit grafisch angepasstem Menü. Dank der Großserienplattform ergibt sich eine hohe Kompatibilität für alle gängigen Medien, und der BD 1260 R beherrscht alle Features des Blu-ray-Profils 2.0, bietet alle gängigen Anschlüsse von HDMI bis S/P-DIF und speichert Internetinhalte auf einem USB-Speicherriegel, von dem er auch Photos, Videos und Musik spielen kann. Firmware-Updates lassen sich ebenfalls per USB oder semiautomatisch übers Internet einspielen.

Die Konfiguration der Ausgänge ist extrem variabel. Etwas unglücklich gelang die Bezeichnung „Film-Modus“ zum Ein- und Ausschalten des 24p-Modus zur ruckelfreien Wiedergabe von Spielfilmen von Blu-ray-Discs.
Aufwendiger Analogausgang mit 32-Bit-Wandlern
Stecken im Decoderboard und der Videotechnik eine Menge an T+A-Anforderungen, so hält sich dort der deutsche Einfluss in Grenzen. T+A-Know-how steckt zu 100 Prozent in der Mechanik, dem Netzteil und dem Mehrkanal-Analogausgang. So lagert beispeilsweise das Laufwerk auf einem Subchassis. Das superstabile Netzteil ist äußerst großzügig dimensioniert.
Die Hauptarbeit sitzt aber im Audio-Ausgangsboard, dessen Grundkonstruktion vom SACD/DVD-Spieler SADV 1250 R stammt, aufgehübscht mit den neuesten Erkenntnissen und Bauteilen. So sitzen jetzt die wichtigen OP-Verstärker zur Entkoppelung auf Extraplatinchen, und als Wandler dienen die neuen PCM 1795 von Texas Instruments mit 32 Bit Genauigkeit. Front links und rechts, also die Stereokanäle, kommen sogar in den Genuss einer Doppel-Differenzial-Schaltung.

Die Konfiguration der digitalen Audio-Ausgabeformate ist sehr flexibel. Egal, ob nur ein Stereo-D/A-Wandler oder ein moderner Surround-Verstärker per HDMI, mit oder ohne HD-Decoder angeschlossen wird, es passt immer.
Im Hörraum zeigte der BD 1260 R beim Anschließen und ersten Begutachten kaum Auffälligkeiten. Er las flott alle Medien, zeigte mit gutem Scaling und flink reagierendem De-Interlacing auch von geringer aufgelösten Bildern der DVD ein knackiges, artefaktarmes Bild – und von Blu-ray sowieso.Java-Menüs und Features wie Bild-im-Bild liefen stressfrei.
Nachdem er auch per HDMI gezeigt hatte, dass er alles kann und auch die neuen HD-Tonformate gut verarbeitet, ging es an die Analogausgänge. Der Standard-2-Kanal-Ausgang des Decoderboards dient T+A nur als Hintertürchen für Zone-2-Anwendungen. Er klingt okay, aber nicht audiophil, auf dem Niveau eines 500-Euro-Players: 46 Punkte.

1) T+A entkoppelt das flotte BD-Laufwerk von LiteOn mittels Subchassis. 2) Das Decoderboard von Stream Unlimited baut auf den Broadcom-Chipsatz. 3) Hatten keinen Platz mehr im bewährten Layout: Die Surrund-Back-Kanäle. 4) Das aufwendige Digital/Analog-Ausgangsboard arbeitet mit 32-Bit-DACs.
Meinung
Der erste Blu-ray-Player aus Deutschland ist endlich fertig: Mit dem BD 1260 R ist T+A ist ein wahrhaft überzeugender Einstieg in die Blu-ray-Welt gelungen. Das freut HiFi-Fans im Allgemeinen und Bestandskunden der Marke im Speziellen, fügt sich das Prachtstück doch nahtlos in das bestehende und bewährte Bedien- und Ausstattungskonzept ein.
Die Stärken des Players sind – neben Verarbeitung und Systemintegration – ganz klar seine highendigen analogen Ausgänge, deren Digitalfilter zum Experimentieren und zum Musikhören auf hohem Niveau einladen.
Raphael Vogt 04.02.2010
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