T+A wagt sich als einer der ersten „kleinen“ Highender mit dem T+A  BD 1260 R (5000 Euro) an einen eigenen Blu-ray-Player. stereoplay durfte das deutsche Debüt exklusiv testen.


Es ist de facto für einen kleinen Highender praktisch unmöglich, einen kompletten Blu-ray-Player zu entwickeln und zu produzieren – die technischen und nicht zuletzt rechtlichen Mannjahre und Budgets lassen sich nicht mehr stemmen. Also tut man sich zusammen und organisiert die Kerntechnologien und die Produktion quasi genossenschaftlich.

T+A hat mit knapp 100 Mitarbeitern und einem Stamm von gut 10 Entwicklern eine ausreichende Größe, um mit einem internationalen Netzwerk aus Lizenzgebern, Baugruppenlieferanten und deren Ingenieurshundertschaften agieren zu können. Außerdem sind die Herforder schlicht finanziell potent genug, um alle notwendigen Lizenzen erwerben zu können. Genaue Zahlen nennt natürlich niemand, aber sie entsprechen alleine für den BD 1260 R den Jahresgehältern mehrerer Entwicklungsingenieure. Ein Wagnis, aber es könnte sich für T+A lohnen.

Mitte November war es soweit: Der erste BD 1260 R der Serienproduktion purzelte vom Band. 24 Stunden später trug Chefentwickler Lothar Wiemann das Baby in stereoplays Hörraum. Er wirkte tatsächlich wie der Vater eines Neugeborenen: etwas geschafft, sehr erleichtert und vor allem stolz. Bei seinen Ausführungen über die Entwicklung und die Zusammenarbeit auf internationaler Basis konnte man manchmal meinen, er erzähle von einer Safari: Da gab es lange Reisen, Paragraphen-Dschungel, große Raubtiere und seltsame Gestalten, erstaunliches Werben und Paaren, Fressen und gefressen werden.

T+A: kein OEM-Gerät

Heraus gekommen ist ein eigenständiger Player, ein echter T+A. In Zusammenarbeit mit Chiphersteller Broadcom,  Board-Entwickler StreamUnlimited und Laufwerkhersteller LiteOn entstand eine individuelle Lösung und nicht einfach eine OEM-Plattform mit grafisch angepasstem Menü. Dank der Großserienplattform ergibt sich eine hohe Kompatibilität für alle gängigen Medien, und der BD 1260 R beherrscht alle Features des Blu-ray-Profils 2.0, bietet alle gängigen Anschlüsse von HDMI bis S/P-DIF und speichert Internetinhalte auf einem USB-Speicherriegel, von dem er auch Photos, Videos und Musik spielen kann. Firmware-Updates lassen sich ebenfalls per USB oder semiautomatisch übers Internet einspielen.

Typisch für die R-Serie von T+A besitzt er keinen Infrarot-Fernbedienungsempfänger. Die Steuerung übernimmt ein T+A-Verstärker per Systemfernbedienung und Kabel oder ein als Zubehör erhältliches externes IR-Auge. Per RS-232-Schnittstelle lässt sich der 1260 über eine Haussteuerung kontrollieren. Den seit Jahren unveränderten System-Handgeber FB 6 wird T+A zum Frühjahr um die Blu-ray-tpischen vier Farbtasten erweitern; bedienen lässt sich der Player aber auch mit dem bisherigen Sender.

Aufwendiger Analogausgang mit 32-Bit-Wandlern

Stecken im Decoderboard und  der Videotechnik eine Menge an T+A-Anforderungen, so hält sich dort der deutsche Einfluss in Grenzen. T+A-Know-how steckt zu 100 Prozent in der Mechanik, dem Netzteil und dem Mehrkanal-Analogausgang. So lagert beispeilsweise das Laufwerk auf einem Subchassis. Das superstabile Netzteil ist äußerst großzügig dimensioniert.

Die Hauptarbeit sitzt aber im Audio-Ausgangsboard, dessen Grundkonstruktion vom SACD/DVD-Spieler SADV 1250 R stammt, aufgehübscht mit den neuesten Erkenntnissen und Bauteilen. So sitzen jetzt die wichtigen OP-Verstärker zur Entkoppelung auf Extraplatinchen, und als Wandler dienen die neuen PCM 1795 von Texas Instruments mit 32 Bit Genauigkeit. Front links und rechts, also die Stereokanäle, kommen sogar in den Genuss einer Doppel-Differenzial-Schaltung.

Wie üblich gibt sich T+A nicht mit den ausgelesenen und decodierten Daten der Discs zufrieden. Ein den D/A-Wandlern vorgeschalteter DSP kümmert sich exklusiv um das Up- und Oversampling zum Ausnutzen der Bandbreite der Wandlerbausteine und der nachfolgenden Analogschaltung. Vier Algorithmen stehen dem experimentierfreudigen Klanggourmet zur Auswahl.

Im Hörraum zeigte der BD 1260 R beim Anschließen und ersten Begutachten kaum Auffälligkeiten. Er las flott alle Medien, zeigte mit gutem Scaling und flink reagierendem De-Interlacing auch von geringer aufgelösten Bildern der DVD ein knackiges, artefaktarmes Bild – und von Blu-ray sowieso.Java-Menüs und Features wie Bild-im-Bild liefen stressfrei.

Nachdem er auch per HDMI gezeigt hatte, dass er alles kann und auch die neuen HD-Tonformate gut verarbeitet, ging es an die Analogausgänge. Der Standard-2-Kanal-Ausgang des Decoderboards dient T+A nur als Hintertürchen für Zone-2-­Anwendungen. Er klingt okay, aber nicht audiophil, auf dem Niveau eines 500-Euro-Players: 46 Punkte.

Dann kam der Mehrkanal-Ausgang, den man per Base­management auch zum Stereo-Portal wandeln kann. Hier ­mussten größere Kaliber des Referenzregals zum Vergleich herhalten. Erst der großartige Naim Audio CD 5i (12/2007) konnte dem Blu-ray-Player mit CD Paroli bieten. Nach Versuchen mit den Digitalfiltern fanden die Tester das reine Bézier-Filter am besten. Es klang dem Creek am ähnlichsten, mit fein auf­gelöstem, tiefem Raum und swingendem Groove. Mit IIR- und FIR-Filtern im Signalweg fehlte schnell einiges der Feinsinnigkeit der Wiedergabe, mit der die relativ schlichte Bézier-Interpolation zu bezaubern vermochte. Das galt auch bei Mehrkanal-Wiedergabe von Pure-Audio-Blu-ray. Die IIR- und FIR-Filter wirkten nüchtern und detailarm im Vergleich zu reiner Bézier-Verarbeitung, die einfach feiner, fließender und schlicht musikalischer klang.

Meinung

Der erste Blu-ray-Player aus Deutschland ist endlich fertig: Mit dem BD 1260 R ist T+A ist ein wahrhaft überzeugender Einstieg in die Blu-ray-Welt gelungen. Das freut HiFi-Fans im Allgemeinen und Bestandskunden der Marke im Speziellen, fügt sich das Prachtstück doch nahtlos in das bestehende und bewährte Bedien- und Ausstat­tungs­­konzept ein.

Die Stärken des Players sind – neben Verarbeitung und Systemintegration – ganz klar seine highendigen analogen Ausgänge, deren Digitalfilter zum Experimentieren und zum Musikhören auf hohem Niveau einladen.

Raphael Vogt 04.02.2010

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