Klassik
Aida Stucki, Christoph Lieske (1951-1977)
Vollendete Beherrschung des Bogens
Der Name Aida Stucki (geboren 1921 in Kairo) dürfte Interessierten schon mehrfach begegnet sein. Sie war die Lehrerin von Anne-Sophie Mutter, und auch die ausgezeichnete Schweizer Geigerin und Bratscherin Mirjam Tschopp weist stets auf den prägenden Einfluss hin, den Aida Stucki auf sie hatte. Jedoch werden alle Erwartungen bei Weitem übertroffen, wenn man die vorliegende Mozart-Sammlung hört: sämtliche Violinsonaten und -konzerte (inklusive Sinfonia concertante KV 364 und dem Mozart lange zugeschriebenen Konzert Es-Dur KV 271a), alles CD-Premieren von Aufnahmen, die lange vergriffen waren, oder von Konzert-Mitschnitten aus Rundfunk-Archiven. Die Konzert-Aufnahmen stammen aus der Zeit von 1951 bis 1960, bei den Sonaten handelt es sich um Live-Aufnahmen von 1977.
Kompakt
Künstler: Aida Stucki, Christoph Lieske (1951-1977)
Richtung: Klassik
Vertrieb: Doremi DHR-7964-9 (453:00, 6 CDs) www.aidastucki.com
In allen Dokumenten erweist sich Aida Stucki als stil- und strukturbewusste Meisterin, geigerisch über jeden Zweifel erhaben, mit erlesenster Tongebung und Phrasierung, vollendeter Bogenbeherrschung, lupenreiner Intonation, Leichtigkeit und Präzision, selbst die kleinste Wendung auskostend und zusammenhängend gestaltend. Das Orchesterspiel in den Konzerten ist leider auf ungleichem Niveau. Die Stuttgarter Aufnahmen unter Gustav Lund, die 1951 für das LP-Label Period entstanden (Konzerte Nr. 1 und 2) fallen sorgfältig, die Zürcher Live-Aufnahmen unter Erich Schmid gröber aus (Konzerte Nr. 3 und 5). Ein Wunder an innigem Zusammenspiel ist die Sinfonia concertante mit dem Bratscher Hermann Friedrich, besonders im kantabel erfüllten Andante (Live-Aufnahme, Zürich 1958).
Den eigentlichen Schatz dieser Anthologie freilich bilden die 16 Sonaten mit Stuckis Landsmann Christoph Lieske. Selten dürfte man ein so makelloses Mozart-Duospiel gehört haben. Vollendete Balance von Struktur und Ausdruck, gleichberechtigtes Konzertieren, alles ist nobler Gesang, präsent, vital, im Fluss. Obendrein ist das Klangbild sehr klar und ausgewogen. Dass die beiden auch Beethoven-Zyklen, Schubert und Brahms gespielt haben, macht neugierig auf die Veröffentlichungen, die da bald kommen mögen.
Diese Aufnahmen sind nicht nur für jeden Geiger ein Muss, sie stehen für ein kammermusikalisches Ideal, wie es von den berühmtesten Größen (Busch/Serkin, Goldberg/Kraus) nicht vorbildlicher verwirklicht wurde. Sie setzen einen Maßstab, der gerade heute als Orientierung unentbehrlich ist.







