Drabowicz, Prokina, Winter, Thompson u.a., London Philharmonic, A. Davis; Regie: Graham Vick (Glyndebourne 1994)
Eugen Onegin
Grandiose Lichteffekte, in denen die handelnden Personen wie Reliefs herausgemeißelt wirken, unzählige kleine Details, die das dramatische Beziehungsgeflecht der „Lyrischen Szenen" verbildlichen: das sind die Kennzeichen der „Eugen Onegin“-Inszenierung von Graham Vick (Regie), Richard Webston (Bühne) und Thomas Webster (Licht), die 1994 beim Glyndebourne Festival herauskam. Auf der Bühne hinterlässt Louise Winter den nachhaltigsten Eindruck: Mit sattem Contra-Alt und engagierter Darstellung macht sie aus der Olga fast eine Hauptrolle. Elena Prokina, deren vokale Palette von berückenden Pianotönen bis zum großen Ausbruch reicht, beeindruckt als Tatjana vor allem in der Briefszene, wo sie jugendliches Ungestüm und Schicksalsergebenheit eindringlich verkörpert. Martin Thompson ist ein nahezu italienisch klingender Lensky. Das gibt der Figur mehr Fleisch und Blut — doch spätestens, wenn er vor dem Duell Abschied vom Leben nimmt, vermisst man jenen melancholischen Ton, der den großen russischen Tenören der Vergangenheit eigen war. Die Titelpartie gestaltet Wojciech Drabowicz differenziert, ohne übertriebenes Macho-Gehabe. Stimmlich nimmt er die „Lyrischen Szenen" beim Wort und konzentriert sich auf die schönen Gesangslinien; leider fehlt ihm das entscheidende Quantum Dramatik. Das kann man von Andrew Davis am Pult nicht behaupten: Er reizt das Drama voll aus und übertönt dabei hin und wieder auch die Sänger. Aber er bietet auch eine ganze Palette von Zwischentönen und lässt das Orchester in impressionistischen Farben schillern.
Kompakt
Künstler: Drabowicz, Prokina, Winter, Thompson u.a., London Philharmonic, A. Davis; Regie: Graham Vick (Glyndebourne 1994)
Richtung: Oper
Vertrieb: NVC Arts/Warner 063014014-2 (154’)


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