Heinz Sauer, Michael Wollny, Joachim Kühn
If (Blue) Then (Blue)
Trio voller Sonderlinge
Wenn schon „blue“, dann richtig „blue" und nicht nur „kind of“. Heinz Sauer nimmt Stellung, der Don Quichote des deutschen Jazz, der mit seiner Kunst jahrelang gegen die Windmühlen der Ignoranz angeritten ist. Vor Kurzem erst hat ihn die Zunft entdeckt – als sich der inzwischen 77-jährige Saxofonist mit Michael Wollny zusammentat, dem versponnenen Klavierexzentriker, der sein Enkel sein könnte. Als Duo bereisten die beiden die halbe Welt, sind dabei künstlerisch erstaunlich frisch geblieben und trotzdem froh über neue Impulse. Diese kommen auf „If (Blue) Then (Blue)" in Person von Joachim Kühn, ebenfalls einem Freak und Pianosonderling mit markant irisierendem, irrlichterndem Stil. 16 Stücke wurden aufgenommen, dialogische Miniaturen von selten mehr als drei Minuten Länge, die das wechselseitige Spiel mit Energien skizzenhaft verdichten. Kühn und Wollny wechseln sich am Klavier ab, der eine ein Ornette Coleman durch Bach teilender, stellenweise pointilistisch Töne hintupfender Synoptiker der Gegensätze, der andere ein abstrahierender Neo-romantiker mit der Neigung zu harmonischer Vieldeutigkeit und motivischer Verschmitzheit. Über allem schweben Sauers Linien, Bögen und Salven, verstockt manchmal, dann wieder erfüllt von einer Herzenswärme, dass einem die Tränen kommen können.
Kompakt
Künstler: Heinz Sauer, Michael Wollny, Joachim Kühn
Richtung: Jazz
Vertrieb: ACT / Edel Kultur (53:38) www.heinzsauer.de
Aufgenommen wurde das komprovisatorische Manifest im vergangenen August in den Bauer Studios in Ludwigsburg von Adrian von Ripka, dem es gelang, die Konversationen mit einer empathischen Mischung aus Brillanz, Transparenz und Intimität festzuhalten.
Schlicht eine Meisterleistung!


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