Attila Csampai

21. Februar 2009
Tipp Lazic, London Philharmonic Orchestra, Petrenko (2008, live)
© Channel Classics SACD CCS SA 26308 (64 :15)

Klassik

Lazic, London Philharmonic Orchestra, Petrenko (2008, live)

  • Musik 5.0/5
  • Klang 5.0/5

Dejan Lazics neueste SACD kombiniert hochwertiges Live-Material mit exzellenter Studioarbeit: Seit circa acht Jahren produziert der in München lebende Kroate beim holländischen Mehrkanal-Pionier Channel Records eigenwillige Konzeptalben in audiophiler Klangqualität. Schon 2003 gab es eine ähnlich aufregende Gegenüberstellung von zwei späten Haydn-Sonaten in hautnaher Studioqualität mit einem wunderbar atmenden Live-Mitschnitt des zweiten Beethoven-Konzerts (Channel CCS SA 19703).

Kompakt

Künstler: Lazic, London Philharmonic Orchestra, Petrenko (2008, live)
Richtung: Klassik
Vertrieb: Channel Classics SACD CCS SA 26308 (64 :15)

Seine elfte SACD hat der 31-jährige Pianist erstmals Rachmaninow gewidmet. In Kooperation mit dem wunderbar warm abgetönten London Philharmonic unter Kirill Petrenko ist ihm eine musikalisch und akustisch so perfekte und klangschöne Interpretation des abgedroschenen zweiten Klavierkonzerts gelungen, dass man erst nach ein paar Minuten, nach dem ersten Huster im Publikum, bemerkt, dass es sich um eine Live-Aufnahme handelt.

Außer wenigen unvermeidlichen Publikumsgeräuschen stimmt in diesem Mitschnitt einfach alles: Das Klavier ist so klar und präzis vom weichen Orchesterklang abgesetzt, dass man die faszinierende Brillanz, das dunkle slawische Pathos und das komplexe Farbenspiel des Pianisten bis in die feinsten Details mitverfolgen kann. Und das Orchester ist ein atmender Organismus: Überall spürt man die tiefe Menschenliebe, die Melancholie und Leidenschaft eines Komponisten, der sich hier in einem kreativen Rausch von allen Selbstzweifeln freigeschrieben hat.Auch in den selten gespielten „Moments musicaux" , die mehr von Chopin als von Schubert inspiriert scheinen, trifft Lazic mit souveränem Ton und unbestechlicher Prägnanz die für Rachmaninow so wichtige Schnittmenge zwischen explosiver Brillanz, feiner Melancholie und tiefer Leidenschaft, und dies ohne eine Spur von virtuoser Eitelkeit: Eine im besten Sinne tief romantische, die Humanität Rachmaninows beschwörende Interpretation, und für mich eine Scheibe für die Insel.


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