Attila Csampai

11. Dezember 2008
Tipp Nikolai Demidenko, Klavier (2007)
© Onyx / Codaex 4036 (78:17)

Klassik

Nikolai Demidenko, Klavier (2007)

  • Musik 4.5/5
  • Klang 5.0/5

Der Exilrusse Nikolai Demidenko gehörte in den Neunziger Jahren zu den interessantesten Köpfen der bunten britischen Klavier-Szene: Fast zwanzig Solo-Alben bei Hyperion dokumentierten sein intellektuelles Potential, seine stilistische Bandbreite, sein Streben nach Perfektion.Dann wurde es ein wenig ruhiger um diesen Virtuosen mit Tiefgang, er arbeitete mit wechselndem Erfolg für das kleine Münchner Label AGPL.

Kompakt

Künstler: Nikolai Demidenko, Klavier (2007)
Richtung: Klassik
Vertrieb: Onyx / Codaex 4036 (78:17)

Jetzt hat sich der 53-jährige Wahlbrite mit einem geradezu charismatischen Chopin-Album beim schwedischen Label Onyx zurückgemeldet, und es ist ihm da – zumindest bei den „Préludes" opus 28 – ein wirklich großer Wurf gelungen. Erst im vergangenen Jahr hatte der junge Pole Rafal Blechacz bei der DG eine raffiniert ausgehörte, lyrisch-defensive Deutung des Chopinschen Mikrokosmos vorgelegt und war mit Lob überschüttet worden, ohne freilich an Pogorelichs Geniestreich von 1989 heranzukommen. Auch Demidenkos nachdenklicher, auf die innere Logik der 24 Miniaturen ausgerichteter Ansatz bleibt zurück hinter dem wilden Furor des Exzentrikers aus Belgrad, und doch gelingt es auch ihm, die enorme Aura, die brennspiegelartig verdichtete Substanz jeder dieser Pretiosen wiederherzustellen durch sein ganz besonderes Gespür für Sinnzusammenhang und durch sein wunderbares, stets kantabel strömendes Legato-Spiel.

Demidenko zielt nicht auf den virtuosen Effekt, sondern nutzt den betörenden orches­tralen Farbenreichtum seines Fazioli-Flügels zu einer fein facettierten, dunkel funkelnden und im Ablauf zwingend logischen Folge von tief empfundenen Seelenporträts, die in ihrer essentiellen und existenziellen Dichte keinen Vergleich kennen in der Klaviermusik. Er enthüllt hier souverän die gewaltigen inneren Kräfte, die wahre, tiefe Leidenschaft und Humanität von Chopins genialem Werk. Dies gilt auch für seine ähnlich orchestral prunkende, gelassen und zugleich zwingend ausformulierte Interpretation der späten h-Moll-Sonate.


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