Orch. d. Bamberger Symphoniker
Kantaten,Ouvertüren,Männerchöre
In seinem Buch "Das Pumpgenie: Richard Wagner und das Geld" outet Hanjo Kesting den Bayreuhter Gralsritter als chronischen Bankrotteur, der nicht nur, wie's sprichwörtlich der Kunst ansteht, "nach Brot" ging, sondern gleich nach Kaviar: Er schnorrte sich seinen extravaganten Lebensstil regelrecht zusammen. Daß es auch eine Zeit gab, da Wagner Geld schlicht verdienen mußte, belegt diese zum Teil amüsante Neuerscheinung. Es ist natürlich der junge Wagner, der hier auftritt, als Komponist von Festgesängen im Auftrag diverser Potentaten, einmal gar - in seiner Pariser Zeit - als Zulieferer einer Vaudeville-Veranstaltung, die "La descente de la courtille" hieß und den gänzlich unbekannten Wagner vorstellt - den "heiteren". Als Pumpgenie erweist er sich hier auch ästhetisch; es beethovent und webert gewaltig in der Schauspielmusik "Beim Antritt des neuen Jahres 1835", es offenbacht in "La descente ..." rossinit gar in Teilen der "Rienzi"-Ouvertüre, die das Programm beschließt. Ja, Wagner beleiht einmal sogar eine Stimme der Zukunft: Die "Faust"-Ouvertüre, Bruchstücke einer geplanten Symphonie, klingt bisweilen wie die ebenso Torso gebliebene Zehnte von Gustav Mahler! Aufgenommen, gespielt und gesungen ist das höchst attraktiv, mit einem Augenzwinkern bei den skurrileren Hervorbringungen des von Geldnot Gebeutelten. Dagegen kommen die beiden ausladenden Orchesterwerke "Faust"- und "Rienzi"-Ouvertüre mit atmosphäre-starkem Ernst, liebevoll ausgestaltet und auf höchstem instrumentalen Niveau. So wird die Einspielung mehr als nur ein Potpourri von Wagner-Raritäten: ein Stück klingender Biographie, auf 61:40 komprimiert.
Kompakt
Künstler: Orch. d. Bamberger Symphoniker
Richtung: Klassik
Medium: CD
Vertrieb: Orfeo 312 941 (61 Min.)
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