Tinariwen
Tassili
Diesmal mussten Tinariwen ihr angestammtes Umfeld verlassen: Statt wie sonst in Tessalit im nördlichen Mali nahmen sie in Algerien auf - in einem großen mauretanischen Zelt in Tassili n'Ajjer, was dem Album schließlich seinen Namen gab. 400 Kilogramm Equipment mussten dorthin transportiert werden. Weniger, als die absolute Zahl andeuten mag, aber viel für eine Aufnahme außerhalb üblicher Rahmenbedingungen. Mindestens ebenso wichtig waren die Gäste, die die Veteranen der afrikanischen Musik, die seit gut 30 Jahren miteinander musizieren, einluden: In der letzten Woche besuchten Tunde Adebimpe und Kyp Malone die Gruppe.
Die beiden spielen eigentlich bei der amerikanischen Rockband TV On The Radio und lernten Tinariwen vor knapp zwei Jahren auf einem Festival kennen. Der Beginn einer Freundschaft, die auf dieser Platte ihren Höhepunkt findet, weil sie das Potenzial, aber auch das Selbstverständnis der Afrikaner auf den Punkt bringt. Es geht eben nicht nur um den Klang ihrer Heimat, um den folkloristischen Soundtrack einer Tuareg-Biografie aus der libyschen Wüste, in der Krieg und Vertreibung elementare Positionen einnehmen. Es geht auch um die Beweisführung der These, dass Musik eine universelle Sprache ist, dass sogenannte Weltmusik und Pop Dinge sind, die sehr nah beieinanderliegen, weil ersteres oft die Wiege des zweiteren ist.
Kompakt
Künstler: Tinariwen
Richtung: Rock/Pop - Pop
Medium: CD
Vertrieb: Cooperative Music (Universal)
Nachzuhören ist das in "Tenere Taqqim Tossam", einem der wohl besten Lieder, die 2011 auf CD gepresst wurden. Eine zweite Kollaboration findet sich gleich am Anfang der Platte: "Imidiwan Ma Tenam" entstand gemeinsam mit Neels Cline von Wilco. Musikalische Spannung wird aber auch jenseits dieser Zusammenarbeiten aufgebaut, etwa in "Tameyawt", das nur eine Gitarre und eine Stimme braucht, um zu begeistern, oder in "Iswegh Attay", dem letzten Track des Albums, der sich über zehn Minuten erstreckt und eine eigenartig mantrische Grundstimmung evoziert. Dass die E-Gitarren, die in der Vergangenheit durchaus klangprägend waren, diesmal nicht mitgenommen wurden, mag an erwähnter Reduzierung des Marschgepäcks liegen. Fehlen tun sie jedoch nie: Alle elf Lieder machen in den vorliegenden Inszenierungen unbedingt Sinn.
Tinariwen auf Deutschland-Tournee:
06.09., Hamburg, Fabrik
06.10., Köln. Philharmonie
21.10., Berlin, Kesselhaus in der Kulturbrauerei


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