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Attila Csampai | Profil | Kontakt

24. August 2010
Tipp Ungarische Nationalphilharmonie, Zoltán Kocsis (2008)
© Hungaroton HSACD 32510/KCK (59:48)
Sinfonik

Ungarische Nationalphilharmonie, Zoltán Kocsis (2008)

Energisch und sinnlich

  • Musik 4.5/5
  • Klang 4.5/5

Béla Bartóks „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“, das er im Sommer 1936 für Paul Sachers Basler Kammerorchester schrieb, ist sein letztes Orchesterwerk in vier Sätzen und die bedeutendste Arbeit seiner mittleren Schaffensphase – ein Brennspiegel seiner komplexen musikalischen Philosophie. Durch die „stereophone“ Aufstellung der beiden Streichorchester scheint es zudem besonders geeignet für hochwertige Aufnahmekonzepte, wie geschaffen für eine Mehrkanalproduktion im Rahmen von Ungarns neuer Vorzeige-Edition, die unter dem Titel „Bartók New Series“ das Gesamtwerk in SACD-Qualität präsentiert.

Kompakt

Künstler: Ungarische Nationalphilharmonie, Zoltán Kocsis (2008)
Richtung: Sinfonik
Medium: SACD
Vertrieb: Hungaroton HSACD 32510/KCK (59:48)

Als künstlerisches Aushängeschild fungiert Ungarns Starpianist Zoltán Kocsis, der in den letzten Jahren auch als Chefdirigent der wieder erstarkten Ungarischen Nationalphilharmonie beachtliche Erfolge verbuchen konnte. Die vorliegende Einspielung der „Musik“, des (ebenfalls für Paul Sacher komponierten) „Divertimento“ und der folkloristischen „Ungarischen Skizzen“ mag den erstaunlichen Qualitätssprung des vormaligen Ferencsik-Orchesters nachdrücklich unterstreichen: Vor allem die Streicher haben den Glanz, den Schmelz, die Homogenität und das Temperament früherer Zeiten zurückgewonnen. So klang der Fugen-Kopfsatz der „Musik“, den andere Dirigenten gerne als Mathematikaufgabe missverstehen, selten so energisch, so sinnlich unmittelbar, so zielgerichtet stringent wie in Kocsis’  unbestechlicher, glasklarer Interpretation. Sie folgt zudem in allen vier Sätzen den überaus flotten Zeitangaben Bartóks, die in aller Regel missachtet werden. Gerade bei der „Musik“ gibt es eine unselige Tradition der Langsamkeit, die diese kraftvolle, magische, wegweisende Komposition tendenziell mit dem Schleier des Depressiven überzogen hat. In Kocsis’ beherzter und temperamentvoller Interpretation spürt man endlich wieder auch die Naturkräfte und die unbändigen Lebensenergien in der Musik des „feinnervigen Musikgelehrten“ Bartók.

Das bodenständige „Divertimento“ und die echte Bauernmusik aufbereitenden „Ungarischen Skizzen“ erweisen sich da als echte Heimspiele eines im magyarischen Idiom fest verwurzelten Kollektivs. Und mittlerweile scheinen auch die Budapester Tonmeister mit der anfänglich kopflastig wirkenden Akustik im 2005 eingeweihten „Nationalen Bartók-Konzertsaal“ besser zurechtzukommen.

Die schön ausbalancierte Mehrkanalbühne hinterlässt einen ausgewogenen, präzis durchgezeichneten, frischen Klangeindruck. Hier entsteht eine neue Bartók-Gesamtedition, die dem größten Komponisten Ungarns aus eigener Kraft ein würdiges Denkmal setzt.



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