Interview mit T+A-Chef Siegfried Amft
Eine erste Planung sah die Einführung zur High End 2009 vor, dann sollte er im Sommer kommen, nun wurde es Winter: Die Rede ist vom T+A BD 1260 R (5000 Euro), dem ambitionierten Blu-ray-Player der Herforder. Die Verzögerung wirft ein Licht auf die Schwierigkeiten, die mittelständische oder kleinere Hersteller bei der Entwicklung von Hochtechnologie-Produkten haben.
stereoplay: Herr Amft, Arcam, Electrocompaniet und nicht zuletzt T+A hatten schon länger „ihren" Blu-ray-Player angekündigt, kommen bei der Entwicklung aber nur mühselig voran. Ist so ein Projekt für einen Mittelständler vielleicht zu groß?
Sigfried Amft: Die gesamte Entwicklung eines solchen Projekts wäre für uns unmöglich. Das ausgesuchte Laufwerk plus Einlese-Einheit des BD 1260 R hat bereits dutzende Mannjahre an Entwicklungsarbeit verschlungen. Das können sich nur die ganz Großen leisten, in diesem Falle LiteOn.
stereoplay: Das ist doch gut, wenn man auf eine solche Hochtechnologie zugreifen kann.
Sigfried Amft: Ja, aber das bedeutet auch, dass wir von diesen Zulieferern abhängig sind. Sie verzögern die Einführung, weil offensichtlich noch Bugs aufgetreten sind – wir haben unsere Hausaufgaben, sprich: Netzteil, Wandler und Main-Board längst erledigt. Darüber hinaus aber sind für kleinere Unternehmen wie T+A die Stückzahlen das Hauptproblem. Es gibt für DVD- und erst recht für Blu-Ray-Player nur wenige Hersteller. Die sitzen alle in China, produzieren riesige Stückzahlen und bieten auch nur große Losgrößen zum Kauf an. Deshalb haben ja bislang auch nur die großen Firmen Blu-ray-Player im Angebot.
stereoplay: Weil man als Hersteller so viele Laufwerke abnehmen muss, wird die Sache so teuer?
Sigfried Amft: Genau. Selbst wenn wir mehr für ein Laufwerk bezahlen, als ein fertiger Player kostet, ist es kein interessantes Geschäft für die Hersteller, weil für ihn die Stückzahlen erst ab 100 000 akzeptabel werden.
stereoplay: Einige kleine High-End-Hersteller haben sich in der Vergangenheit damit beholfen, fertige DVD- oder SACD-Geräte großer japanischer Hersteller auszuschlachten, in ein eigenes Gehäuse zu setzen und zu „veredeln“...
Sigfried Amft: Das ist für T+A nie ein Thema gewesen und wird bei Blu-ray aufgrund der strengen Lizenzierungen auch nicht mehr funktionieren.
stereoplay: Wie aber kommen Sie nun zu Ihren Laufwerken?
Sigfried Amft: Auf Grund unserer guten Verbindungen und der für einen kleinen Hersteller doch recht hohen Stückzahlen. Aber trotzdem ist es teuer. Dazu kommt unser eigener Entwicklungsaufwand. Für den BD 1260 R sind das etwa 150 000 Euro – und da sind die allgemeinen Lizenzen noch gar nicht mit eingerechnet. Lizenzen müssen wir für Dolby HD, Blu-Ray, DVD, HDMI, MPEG und Kopierschutz bezahlen. Kann sein, dass noch einige kleinere dazukommen.
stereoplay: Das ist viel Geld. Wie wichtig sind solche Hochtechnologie-Produkte für T+A?
Sigfried Amft: Enorm. Wir wollen ja auch in Zukunft wachsen und uns insbesondere im Ausland steigern. Wir haben an dem Erfolg unserer netzwerkfähigen Geräte gesehen, dass man mit neuen Technologien und Ansätzen auch in einem schrumpfenden Markt wachsen kann. Innerhalb von zwei Jahren haben diese neuen Produkte bei uns mehr als 50 Prozent Umsatzanteil erreicht.
stereoplay: Nicht schlecht, aber rechtfertigt das den Aufwand?
Sigfried Amft: Ja, denn es wird in absehbarer Zeit nur wenige Wettbewerber im High End geben. Die meisten haben nicht die Entwicklungskapazität – wir haben immerhin 10 Mann in der Entwicklung – und die finanziellen Möglichkeiten, derartige Projekte zu realisieren. Zudem werden wir das gewonnene Know-how sofort in andere Geräte einfließen lassen.
stereoplay: Wir sprachen über die Schwierigkeiten bei der Erstellung eines Blu-ray-Players, und wir wissen, dass der BD 1260 R etwa 5000 Euro kosten muss. Wo sind denn seine Vorteile gegenüber einem Modell von Denon, Yamaha & Co?
Sigfried Amft: Unsere Geräte sind für Kunden gemacht, die etwas Besonderes wollen, sei es nun im Klang oder auch in der Verarbeitung und dem Design. Letztendlich wird ein High-End-Player sich im wesentlichen in der verbesserten Klangqualität unterscheiden, nicht so sehr im Bildbereich. Aber das war ja bei den DVD-Playern schon der Fall.
stereoplay: Und trotzdem werden die Zeiten härter. Wie sehen Sie die Zukunft von Qualitäts-HiFi „made in Germany“?
Sigfried Amft: Das hängt stark von den Möglichkeiten der einzelnen Firmen ab. Die bislang wichtigste Säule, das klassische analoge Stereo, wird schwächer werden. Auf der anderen Seite gibt interessante Entwicklungen. Der Erfolg des Streamens zum Beispiel ist enorm; diese Technik wird zum Muss für anspruchsvolle HiFi Anlagen. Das ist eine echte Chance für uns, für hochwertiges HiFi; man darf dieses Feld nicht den schlecht klingenden Billiglösungen überlassen. Prinzipiell muss man als Hersteller aus Deutschland immer ein bisschen mehr außergewöhnliche Qualität bieten. Ich sehe da den Bereich des hochwertigen Lifestyles immer wichtiger werden. Unser Glück ist, dass wir mit unseren Entwicklern und insbesondere dem Entwicklungschef Lothar Wiemann Mitarbeiter besitzen, die im entscheidenden Moment die besseren Ideen haben.
stereoplay: Wie sieht das konkret aus? Welches sind die nächsten Projekte?
Sigfried Amft: Im Herbst kommen der Blu-ray-Player, die große High-End-Endstufe A 10, eine bidirektionale Fernbedienung mit Display und zwei Lautsprecher im Design der CM Active, passend zu K2 M und K4. Im Frühjahr der K4, das ist ein Blu-ray-Receiver mit 7.1 Dolby HD.
stereoplay: Das sind ja überwiegend technisch anspruchsvolle Lifestyle-Produkte. Verändert sich Ihre Zielgruppe?
Sigfried Amft: Die ganze Szene wandelt sich. Nach unseren Erkenntnissen schrumpft der klassische High-End-Markt weltweit. Die „nachwachsenden" Kunden sind auch qualitätsbewusst und bereit, viel Geld auszugeben, jedoch mit anderen Schwerpunkten als die der reinen „High-End-Lehre“. Sie achten viel mehr auf Design und Funktionalität. Dem HiFi-Fan der 80er Jahre war das überhaupt nicht wichtig.
Das Interview führte Holger Biermann