
Alles über Bassmanagement
Unter Bassmanagement versteht man das Verwalten, Umleiten und Filtern tieffrequenter Signale in einer HiFi- oder Heimkinoanlage. stereoplay erklärt, wozu man das braucht, wie es funktioniert und wie Sie Ihre Anlage richtig einstellen.
Fast ein Jahrhundert lang benötigte man kein Bassmanagement, kam doch anfangs ohnehin kein Bass aus der Wiedergabe trötiger Grammophontrichter. Auch Omas Röhrenradio kümmerte sich um so etwas nicht. Selbst in komplexeren Beschallungsanlagen, wie sie beispielsweise bereits seit den vierziger Jahren in Kinos und bei Konzerten Verwendung fanden, spielte es keine Rolle, obwohl bereits Disneys „Fantasia" 1940 mit Mehrkanalton präsentiert wurde und auch Systeme wie Todd-AO in den Fünzigern schon mit fünf Frontkanälen plus Surround den Grundstein für heutige Mehrkanaltechnik bildeten. Jeder Kanal besaß damals sein eigenes Signal, und der daran angeschlossene Lautsprecher gab es brav und unverändert wieder.
Konfiguration: Im Beispiel ist ein typisches Setup für ein 5.1- Boxenset eingestellt mit fünf Vollbereichs-lautsprechern plus Subwoofer; dieser bekommt so ausschließlich das LFE-Signal.
Ein Aufwasch: Der Pegelabgleich zwischen den Kanälen findet sich in der Regel im gleichen Menü wie das Bass- management, genau wie das Delay. Diese Korrekturen erledigt das Bassmanagement mit.
Aus der starren Ur-Umleitung ist das heutige, flexibel konfigurierbare Routing- und Filternetzwerk hervorgegangen. Reichten bis in die 90er Jahre zwei Wippschalter oder eine knappe Bildschirmdarstellung, kommen heute oft schon mehrere Menüseiten zusammen. Die Grundidee bleibt die gleiche: die hohe Energie der Bassnoten in den oder die dafür potentesten Lautsprecher umzuleiten, in der Regel also in einen oder mehrere Subwoofer.
Missverständnis LFE: Im klassischen 5.1-Ton (der 1979 mit analogem 6-Kanal-Magnetton bei „Apocalypse Now“ Premiere hatte) kommt erstmals der LFE-Kanal (Low Frequency Effects) zum Einsatz. Dabei trägt dieser keinesfalls die gesamte Bassinformation für den Subwoofer, wie viele immer noch meinen. Alle fünf (heute bis sieben) Hauptkanäle arbeiten breitbandig bis in den Bass. Der LFE-Kanal dient ausschließlich der Unterstützung von Spezialeffekten, und zwar nur unterhalb 120 Hertz und ohne Richtungs-information. Daher landet das LFE-Signal normalerweise im Subwoofer. Lässt man den LFE weg (er ist beispielsweise im 2-Kanal-Downmix für den Fernseher überhaupt nicht enthalten), darf keine relevante Information fehlen. Besonderheit: Der LFE wird bei der Wiedergabe pauschal um 10 dB verstärkt – für das Extrapfund Schub, das beispielsweise eine Explosion richtig spüren lässt.
Wie konfiguriert man das Bassmanagement am Verstärker richtig? Faustregel: jede Box, die signifikant bassschwächer ist als die Frontlautsprecher und/oder der Subwoofer, auf „Small" konfigurieren. Geeignete Übergangsfrequenzen wählen: Je höher die Frequenz, desto lauter kann der Kanal spielen – Sie gewinnen Dynamik, dafür verlieren Sie Ortbarkeit. Je mehr Kanäle Sie vom Bass entlasten, desto mehr Tieftonenergie leitet das Bassmanagement auf den Subwoofer (oder bei dessen Abwesenheit auf die Frontlautsprecher) um.
Der Subwoofer bekommt also neben dem alleine schon anspruchsvollen LFE-Signal den Tiefbass der anderen Kanäle aufgebürdet und sollte entsprechend potent sein. Bauernregel hier: Es gibt keinen überdimensionierten Subwoofer. Denn spätestens bei typischem THX-Setup mit allen Kanälen auf „Small" muss der Woofer enorme Energien aufbringen, soll er doch einen Teil der Arbeit von bis zu sieben Lautsprechern nebst LFE mit erledigen.
Gab es anfänglich nur 80 Hertz als Übergangsfrequenz zwischen beschnittenen Lautsprechern und Subwoofer zur Auswahl, bieten heutige Decoder höhere und tiefere Frequenzen feil und in der Regel sogar für mehrere Kanalgruppen getrennt einstellbar. Das macht Sinn, und Sie sollten es nutzen. Speziell der Center sollte besondere Sorgfalt erfahren, gibt er doch den wichtigsten Teil der Bühne wieder, von Stimmen über fast alle Instrumente, und auch im Film spielt er eine sprichwörtlich tragende Rolle. Idealer Weise verwenden Sie drei identische Lautsprecher, dann ist bereits viel gewonnen. Oft ergibt sich, abhängig von seiner Konstruktion, eine Grundtonanhebung durch nahe Grenzflächen wie den Fernseher, dann klingt es häufig besser, ihn höher abzutrennen, obwohl er tiefer spielen könnte.
Insbesondere Hauptlautsprecher mit nur zwei Wegen (also ohne Extra-Basschassis) können klanglich gewinnen, befreit man sie von der Kellerarbeit. Sie kämpfen bei zunehmender Lautstärke mit Verfärbungen durch den Dopplereffekt, denn die empfindlichen Grund- und Mitteltonfrequenzen schiebt der mit weiten Tiefbassauslenkungen beschäftigte Tiefmitteltöner ständig mit nach vorne und hinten, wobei sich nach Doppler auch die Tonhöhen verschieben und damit der Klang ändert. Entbindet man die 2-Wege-Box vom Tiefbass, spielt sie lauter und freier, und die Doppler-Verfärbungen gehen drastisch zurück.
Gerade die Kombination aus feinem 2-Wege-Lautsprecher und tief angekoppeltem Subwoofer macht auch als High-End-Stereo-Anlage Sinn, kann sie doch Präzision und Spielfreude mit einer beeindruckenden Dynamik und akustischen Präsenz verbinden, die sich sonst nur mit sündhaft teuren, turmgroßen Superboxen erreichen lässt.
Bassmanagement anno 1996: Gerade mal zwei Kippschalter regeln an diesem Parasound PSP 1500 das komplett analoge Bassmanage- ment nach THX- Vorschrift.
Vorsicht Falle: „Direct“-Modi moderner Surroundverstärker schalten oft das Bassmanagement ab; viele Hersteller bieten mehrere Stufen der Abschaltung. Oft heißen die Stufen ähnlich. In „Standard“-Modi arbeitet die gesamte Signalbearbeitung. „Direct" oder „Straight“, gar „Pure Direct" schalten oft das Bassmanagement und sogar das Delay und den Pegelabgleich ab! Das sollten Sie gegebenenfalls in Ihrer Anleitung erforschen.
Komplex: Dieses vereinfachte Schema des Routings und der Filter eines typischen Bassmanagements veranschaulicht die Komplexität der Aufgabe. Hier nur die Darstellung für die Arbeit mit einem Subwoofer. Center, Surrounds und LFE können auch beispiels- weise auf den linken und rechten Hauptlaut- sprecher umgeleitet werden.
Der beste Ausweg bei drohendem Doppel-Bassmanagement ist meistens, den Verstärker alles regeln zu lassen. Die Quelle, etwa den Blu-ray-Player, konfiguriert man auf Durchzug. Das passiert entweder bei korrektem HDMI-Handshake automatisch, ansonsten muss man im Player alles manuell auf Neutral stellen, also alle Lautsprecher „Large“, Subwoofer auf „Yes“, alle Pegel auf Null, alle Delays auf denselben Wert. Dann erhält der Verstärker das Signal identisch mit der Aufnahme. So lassen sich alle Surroundmodi des Verstärkers nutzen, nur „Pure Direct" (oder wie immer der Hersteller die Funktion nennt, die das Bassmanagement umgeht) nicht. Das gewährt maximale Flexibilität, identische Konfiguration und gleichen Klangeindruck für alle Eingänge.
Puristen, die gerne den Minimalmodus des Verstärkers nutzen möchten, was gerade bei analoger SACD-Zuspielung verlockt, müssen entsprechend das Bassmanagement komplett im Player konfigurieren. Sie müssen sich auch bewusst sein, dass eventuell sinnvolle elektronische Raumanpassungen wie Audyssey, MCACC oder YPAO in diesem Falle auch umgangen werden. Daher noch einmal: In der Regel fährt man am besten mit dem Bassmanagement des Verstärkers und stellt den Player auf 1:1-Wiedergabe.
stereoplay Bassmanagement-Checkliste:
- Boxen(-gruppe) „Large“: überträgt auch Bass.- Lautsprecher(-gruppe) „Small“: im Bass beschnitten.- Lautsprecher(-gruppe) „None“: nicht vorhanden.- Modus „Main + Sub“: Frontkanäle nicht beschnitten, aber in den Subwoofer dupliziert.Nicht auf Einmessautomatik verlassen! - Höhere Übergangsfrequenz: mehr Dynamik und Grenzpegel.- Tiefere Übergangsfrequenz: homogenerer Klang.- Subwoofer großzügig dimensionieren!
Verwandte Themen
Stereoplay Sonderheft 01/2012

Das Stereoplay Sonderheft können Sie in unserem Shop kaufen - Versandkostenfrei!





