
Ratgeber: Internetradios
Am Computer hat sich Webradio längst als Musikquelle etabliert. Inzwischen gibt es aber auch viele Geräte, die den eigenständigen Gebrauch ohne PC ermöglichen. stereoplay hat acht Modelle der Oberklasse für Sie getestet.
Die Vielfalt ist beeindruckend: Mehr als 10 000 Stationen stehen dem Anwender per Webradio zur Verfügung, Programme aus aller Welt und aus allen Musikgenres, das Ganze kostenlos und völlig legal.
Da wundert es nicht, dass die Industrie innerhalb von nur zwei Jahren – und ohne die üblichen Standardisierungsprozeduren – eine eigene Kategorie von Internetradios geschaffen hat. Die sind mit Verstärkern und Lautsprechern ausgestattet und lassen sich ohne Computer an beliebiger Stelle der Wohnung betreiben.
Das Internetradio NAS C 5 E von Sony lässt sich für den Zugriff auf die Musikinhalte von PC oder NAS separat betreiben, doch kann das edle Gerät – ganz ohne PC – auch mit dem Sony-Server-Musiksystem Gigajuke eine perfekte Verbindung eingehen.
Im Test dabei sind Denon mit dem Modell S 52 für 699 Euro, Grundig mit dem Ovation für 599 Euro und Logitech mit der Squeezebox Boom für 299 Euro. Zu gleichen Preisen gibt‘s die Kandidaten NP 2900 von Philips und WFR 20 von Sangean, während Sony das NAS C 5 E für 339 Euro anbietet. Aus der Noxon-Familie stammt das iRadio for iPod von Terratec, erhältlich für 299 Euro, last not least hat Tivoli Audio das Stereo-Boxenset Networks für 799 Euro im Programm. Die recht unterschiedlichen Preise erklären sich durch zum Teil erhebliche Extra-Ausstattung.
Zunächst soll es jedoch um Ausstattungsmerkmale gehen, die einen komfortablen Webradio-Empfang ermöglichen. Wichtig sind dafür die Anzahl und Auswahl der empfangbaren Radiostationen. Um diese nicht alle manuell eingeben zu müssen, haben die Gerätehersteller Verträge mit Radio-Providern abgeschlossen, auf deren Angebote die Webradios automatisch zugreifen. Laut Herstellerangaben ist damit der Empfang von mehr als 10 000 Stationen möglich, die nach Genres oder Ländern geordnet sind und einer ständigen Veränderung unterliegen. Für die meisten Musikwünsche dürfte das genügen, bei speziellen Programmvorlieben empfiehlt stereoplay als Hilfe für die Kaufentscheidung den Besuch der Provider-Webseiten. Bei reciva, vtuner und shoutcast ist es möglich, ohne Anmeldung reinzuhören. Links finden Sie in unserer Tabelle.
Das Audiosystem S 52 von Denon bietet neben Webradio und Net- Player auch USB, CD-Laufwerk und iPod-Dock.
Für die Anzeige ist ein möglichst informatives Display hilfreich; grundsätzlich werden per Webradio auch Informationen über Titel und Interpreten übertragen. Üblich sind drei bis fünf Zeilen Textanzeige per Monochrom-Display, lediglich Philips bietet ein Punktmatrix-Farbdisplay, das als Hintergrundbilder auch Albumcovers anzeigen kann. Außer beim Sangean WFR 20 lässt sich über die Displays auch die Empfangsstärke für das WLAN-Funknetz kontrollieren, sodass kritische Situationen durch leichte Änderung des Aufstellorts entschärft werden können. Alle Testkandidaten beherrschen die WLAN-Verschlüsselung per WEP und das erheblich sicherere WPA.
Genauso wie Netzwerk-Player durchwegs für den Webradio-Empfang geeignet sind, lassen sich unsere Testkandidaten auch als vollwertige Audio-Netzwerk-Player nutzen. In Küche, Schlaf- oder Kinderzimmer aufgestellt, können die Geräte also die auf PC oder NAS-Server gespeicherte Musik wiedergeben. Das ist eine feine Sache, denn bei fast allen getesteten Geräten erfolgt die Netzwerkanbindung über UPnP-AV. Dieser Standard ist ein Segen für die multimediale Heimvernetzung, da er die Inbetriebnahme von Netzwerk-Playern zum Kinderspiel werden lässt. Auf PC oder NAS muss lediglich eine UPnP-Server-Software installiert sein, dann erfolgt die Freigabe des Musikverzeichnisses und eventuell die Eingabe eines WLAN-Kennworts. Als Server kommen der Windows Media Player 11 – oder besser Twonky Media – in Frage. Eine Ausnahme macht die Squeezebox Boom von Logitech, für die als Server-Software das SqueezeCenter auf PC oder NAS zu installieren ist.
Die meisten Geräte können viele Musikformate abspielen, Einschränkungen gibt es hingegen bei Grundig und Tivoli Audio, bei denen etwa die Wiedergabe der nicht datenreduzierten Formate WAV und FLAC entfällt. Das kann insbesondere für den Zugriff aufs eigene Musikarchiv von Nachteil sein.
Als weitere Ausstattung bieten alle Kandidaten Line-Eingänge und Kopfhörer-Ausgänge. Line-Ausgänge gibt‘s bei Logitech, Sangean, Philips, Terratec und Tivoli Audio, bei Philips und Terratec sogar SPDIF. Die Geräte von Denon, Grundig, Terratec und Tivoli Audio sind mit UKW-Empfangsteilen ausgestattet, auch lassen sich beliebige USB-Speicher anstecken. Denon und Grundig bieten zudem integrierte CD-Laufwerke, erneut Denon sowie Terratec kommen sogar mit Steckplätzen für iPod-Player.
Wie bei allen Audio-Systemen sind insbesondere auch bei Webradios die Lautsprecher prinzipiell das schwächste Glied für die erzielbare Klangqualität. Bei der im Vergleich zu ausgewachsenen HiFi-Anlagen recht dürftigen Verstärker/Lautsprecherbestückung der getesteten Webradios interressiert zudem der maximal erzielbare Schalldruckpegel. So ist für ein Gerät mit tiefem Bass mehr Aufwand erforderlich, um den gleichen unverzerrten Schalldruckpegel zu erreichen wie für ein Modell mit weniger Bass. Das ist bei unseren gemessenen Pegelwerten zu berücksichtigen.
Den geringsten Aufwand hat Terratec für das Noxon iRadio for iPod in Monoausführung getrieben. Entsprechend niedrig fallen Klangnote und Maximallautstärke aus. Klanglich überzeugender – und wie alle weiteren Testkandidaten in Stereo – kommt die schicke Grundig-Design-Anlage Ovation daher. Durch geschickten Einsatz der Bass/Höhensteller lässt sich noch einiges rauskitzeln, sehr laut spielt Ovation aber nicht.
Durch die Konstruktion mit separaten Lautsprechern lässt sich Networks von Tivoli Audio praktisch als vollwertiges Audiosystem einsetzen.
Mit seinem ausgefuchsten Audyssey-System plus Subwoofer hat Denon einen hohen Aufwand getrieben, was in einem satten und runden Klangbild resultiert. Gut gefiel uns eigentlich auch der Audyssey-Raumklangprozess; nur lässt er sich nicht abschalten, was zu einer leichten Abwertung führte.
Die klanglich ausgewogenste Vorstellung liefert Logitech mit der Squeezebox Boom. Nicht ganz so stimmig tönt das Webradio von Tivoli Audio. Dafür bringt es aber die deutlich kräftigeren Bässe und ist trotzdem laut genug für eine Party.
Fazit
Klar, gehobene HiFi-Ansprüche können Webradios als Komplettsysteme nicht er- füllen. Am nächsten kommt dem noch das aus zwei Einzellautsprechern bestehende Networks von Tivoli Audio. Ein preisgünstiges und dennoch gut klingendes Radio ist die Squeezebox Boom von Logitech, während das Denon S 52 durch ausgeklügelte Technik und Ausstattung überzeugt.
Die einzelnen Bewertungen und die Ausstattungstabelle finden Sie in der Bildergalerie.
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