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Bernd Timmermanns

10. September 2008
Boxenselbstbau - Gehäusematerial: Swing Low! Bild vergrößern 800 800 http://img2.magnus.de/image-r800x800-C-9c9684c7-14348440.jpg
Boxenselbstbau - Gehäusematerial

Swing Low!

Die meisten Boxengehäuse bestehen aus Holzmaterial unterschiedlichster Komposition. Welche führt zum besten Klang? Ein Test von sieben Hölzern und einer Steinplatte klärt auf.

Die besten Materialien für Lautsprechergehäuse sind diejenigen, die möglichst wenig Schall durchlassen, also den Schall effektiv dämmen (man beachte den Unterschied zum Dämpfen, das durch poröse Absorbermaterialien erfolgt. Davon ist hier nicht die Rede). Hoch im Kurs stehen massereiche Werkstoffe wie Naturstein und Beton. Aber auch Holzwerkstoffe eignen sich für den Lautsprecherbau – zumindest dann, wenn die Wandstärke ausreichend groß ist.

Zweifellos sind Gehäusematerialien Modeströmungen unterworfen; bis vor einigen Jahren waren etwa die Meinungen über MDF zwiespältig: Es ließ sich hervorragend verarbeiten, aber Spanplatte, über Jahrzehnte das Gehäusematerial schlechthin, schrieben zumindest einige so genannte Experten eine bessere Schalldämmung zu. In England hatte sich dagegen Birkensperrholz, auch als Birkenmultiplex bezeichnet, einen guten Ruf erworben – besonders in Verbindung mit Bitumen-Dämmplatten. Um Gehäusematerialien reproduzierbar miteinander vergleichen zu können, verwenden wir ein Testgehäuse, das fünfseitig aus Sandwichwänden besteht. Ein Innen- und ein Außengehäuse aus 19er-Spanplatten mit 25 Millimeter Quarzsand als Zwischenlage sorgen bei dieser Konstruktion für eine enorm gute Schalldämmung.

Die sechste Seite ist demontierbar; hier lassen sich beliebige Testwände einbauen. Im Innern des Gehäuses befinden sich zwei Kammern, deren Trennwand mit einem 18-Zentimeter-Tieftöner bestückt ist. Dieser beschallt die Testwand von innen – was drau-ßen ankommt, ist durch die Materialprobe hindurch gedrungen, denn die Sandwich-Wände sind praktisch schallundurchlässig.

Ein Messmikrofon nimmt diesen Schall im Abstand von 20 Zentimetern zur Oberfläche der Materialprobe auf. Außerdem ist in Plattenmitte ein Beschleunigungssensor montiert, der die Schwingungen der Testwand direkt misst. Die akustische Messung wird über das MLSSA-System ausgewertet, die Schwingungsmessung führt das DAASpro-Messsystem mit Sinussignalen durch.

Acht Materialproben standen für diese Messreihe zur Verfügung: MDF in 16, 19 und 28 mm Stärke, 19er-Spanplatte, 19er- Tischlerplatte, 18er-Birkenmultiplex, 20 mm Betonspanplatte und 20 mm Schiefer. Die Vibrationsmessungen erfassen den Bereich von 100 Hz bis 12 kHz, die Schalldruckmessungen reichen von 100 Hz bis 10 kHz und sind jeweils über eine halbe Oktave integriert dargestellt, um die Übersichtlichkeit zu verbessern. Die Messung der 19er-MDF-Platte ist zum Vergleich jeweils gepunktet unterlegt.


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Die MLSSA-Software bietet eine Funktion, die es erlaubt, einen Index der Schalldämmung zu erstellen: Das Programm errechnet den durchschnittlichen Schalldruckpegel in einem vorgegebenen Frequenzbereich. So ergeben sich Werte, die es erlauben, die Werkstoffe miteinander zu vergleichen. Als Maßstab diente das meistverwendete Gehäusematerial, die 19er-MDF-Platte. Die Pegeldifferenzen zu diesem Vergleichsnormal wurden in Prozentwerte umgerechnet. Daraus ergibt sich folgende Hitliste: siehe Schaubild.

Fazit:

Viel hilft viel – das gilt wie so oft auch beim Gehäusebau. Massereiche Werkstoffe, insbesondere Schiefer, aber auch die Betonspanplatte liefern die mit Abstand besten Ergebnisse. Dass 28er-MDF besser abschneidet als 19er, verwundert ebenfalls nicht. Erstaunen löst das hervorragende Abschneiden von 16 mm MDF aus – kaum schlechter als 19 Millimeter.

Die Spanplatte kann da nicht mithalten, leistet sich aber keinen groben Ausrutscher und ist im Preis-Leistungs-Verhältnis durchaus konkurrenzfähig. Dass Birkenmultiplex schwächer als Spanplatte abschneidet, überrascht. Dass die Tischlerplatte keine Chance hat , war dagegen vorhersehbar.



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