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Testbericht

CD-Player Naim CD 555

Testergebnis
65.0 Punkte
21600 EUR
Testverfahren: 1.0

stereoplay


Hans-Ulrich Fessler

20. Mai 2008

Bei Naim erwartet der Insider kräftige Netzteile und satte Mechanik. Das neue CD-Player-Spitzenmodell für 21 600 Euro ist zudem gespickt mit technischen Raffinessen.

Naim CD 555 Bewertung

Seit dem Test in Heft 11/2003 ist der 11750 Euro teure Naim CDS 3 Referenz bei stereoplay – allerdings zusammen mit zwei anderen. Das wurmte Naim wohl schon ein bisschen. Denn mit dem Player-Boliden CD 555 für sage und schreibe 23300 Euro streben die Entwickler jetzt ganz offensichtlich  den alleinigen Referenzrang an.


Bild vergrößern 937 825 http://img2.magnus.de/image-r937x825-C-9634d1de-25009945.jpg Ruht komplett auf Blattfedern: aus dem Vollen gearbeitetes Laufwerk des Naim. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Ruht komplett auf Blattfedern: aus dem Vollen gearbeitetes Laufwerk des Naim.

Um das hohe Ziel zu erreichen, fingen sie noch einmal ganz von vorne an – beim Laufwerk. Sie nahmen die wohl beste CD-Mechanik überhaupt: ein Druckguss-Chassis von Philips mit der Bezeichnung VAU 1254/31, besser bekannt als CD Pro 2 M. Stoßdämpfer (Stifte in Hülsen auf Blattfedern) entkoppelt die komplette Abspieleinheit von der Umgebung. Neben Vibration könnte aber auch noch Streulicht vom Laser die Datenauslese erschweren: Eine Beschichtung des Disc-Fachs absorbiert parasitäre Infrarot-Wellen.Der CD 555 spielt die CD nicht einfach ab, sondern scannt sie blitzschnell ein und justiert je nach Reflexivität die Verstärkung der Leseeinheit.Die Laufwerkssteuerung übernimmt ein auf den Antrieb maßgeschneiderter Philips-Chipsatz, dessen Programme Naim selber schrieb. Danach befreit ein Filter die den CD-Informationen entsprechenden winzigen Strömchen von Rauschen. Und selbstverständlich ist jede Versorgungsspannung des Laufwerks extra stabilisiert.


Bild vergrößern 937 945 http://img4.magnus.de/image-r937x944-C-35f99e3a-25009951.jpg Jetzt mit Motorantrieb: schwere Klappe des Disc-Fachs aus einer Wolfram-Legierung. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Jetzt mit Motorantrieb: schwere Klappe des Disc-Fachs aus einer Wolfram-Legierung.

Fast schon banal: Ein zentraler Quarz, von der Umgebung elektronisch hermetisch abgeriegelt, sorgt für den strikten Gleichschritt der Daten. Doch damit nicht genug: Kurz vor den Konvertern werden die Bits nochmals neu aufgestellt. Dann teilt sie ein Digitalfilter vor den Wandlern in zwei Gruppen auf: Stammen sie von einer der weit über 4000 HDCDs (High Definition Compatible Digital), nimmt ein Signalprozessor die im kleinsten Bit versteckten Informationen, ändert je nach Signalverlauf blitzschnell die Filtercharakteristik und erhöht die Dynamik auf 20 Bit. Bei Standard-CDs unterdrückt das Filter-IC ganz normal die abtastbedingten Stördaten oberhalb von 20 kHz (Aliasing).

So oder so errechnet es dann im folgenden Zwischenwerte und gibt schließlich Ausgangs-Datenworte mit der beachtlichen Länge von 24 Bit heraus. Die werden dann nicht etwa durch den 1-Bit-Rauschwolf gedreht wie bei den derzeit üblichen D/A-Wandlern. Naim nahm vielmehr den jüngsten Multibit-Wandler von Burr-Brown, der nicht bloß auf Pegeländerungen reagiert, sondern die Gesamt-Amplituden Stück für Stück mit äußerster Präzision modelliert.


Bild vergrößern 937 781 http://img1.magnus.de/image-r937x781-C-d37a571d-25009954.jpg Sorgen für stabile Versorgung der Digital- (rechts) und Analogsektion (links): Insgesamt 63 Spannungsregler garantieren einen autonomen Stromhaushalt. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Sorgen für stabile Versorgung der Digital- (rechts) und Analogsektion (links): Insgesamt 63 Spannungsregler garantieren einen autonomen Stromhaushalt.

Klassisch aufwendig geschieht auch die Analogsignalverarbeitung. Wie beim CDS 3 sind die zweistufigen Filter und die Ausgangsverstärker komplett aus Einzeltransistoren aufgebaut. Widerstände und Kondensatoren sind auf 1 Prozent genau, jede Verstärkerstufe ist spannungsstabilisiert. Die Platine „schwimmt" (ebenso wie die für die Digitalsignalverarbeitung) samt untergeschraubtem, schwerem Messingblock auf Spiralfedern.

Der Aufwand zeigt sich in exzellenten Messwerten. Der CD 555 reiht sich zu den jitterärmsten Spielern ein, der Störabstand ist mit 112 Dezibel mustergültig hoch und der Ausgangswiderstand mit 18,4 Ohm vorbildlich niedrig.

Damit verwundert es kaum, dass sich der CD 555 beim Hörtest keinerlei tonale Ausrutscher erlaubte. Der Naim lud nicht einfach zum Zuhören ein, sondern integrierte den Hörer, baute die Musik nicht erst von Grund an auf, sondern zelebrierte sie mit Selbstverständlichkeit und Ruhe.


Bild vergrößern 937 773 http://img4.magnus.de/image-r937x772-C-7b7da0f8-25009948.jpg Sind auf Spiralfedern gelagert und mit reichlich Messing ruhiggestellt: Platinen des Naim. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Sind auf Spiralfedern gelagert und mit reichlich Messing ruhiggestellt: Platinen des Naim.

Sozusagen ohne Bedenkzeit brachte er die musikalischen Inhalte auf den Punkt, gab jegliche Art von Musik so hautnah wieder, dass er sogleich die anderen Referenzen in Frage stellte.

Selbst der CDS 3 ließ die Klangfiguren auf einer deutlich kleineren Bühne aufmarschieren und trat dynamisch vergleichsweise auf die Bremse. Wo der Meridian 808i (11/05) beim Ausschwingen der Töne, bei der Betonung des Instrumentenkorpus abbrach, machte der CD 555 weiter und zeigte ihm mit entlarvender Präzision bei der musikalischen Binnenspannung seine Grenzen auf.


Bild vergrößern 937 735 http://img2.magnus.de/image-r937x735-C-5a6900a8-25009957.jpg Fast doppelt so groß wie im Netzteil vom Vorgänger: Ringkerntrafo im separaten Gehäuse mit getrennten Wicklungen für die Analog- und Digitalsignalverarbeitung. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Fast doppelt so groß wie im Netzteil vom Vorgänger: Ringkerntrafo im separaten Gehäuse mit getrennten Wicklungen für die Analog- und Digitalsignalverarbeitung.

Der Linn CD 12, ebenfalls Referenz (Test 11/02), konnte mit seiner facettenreichen Wiedergabe anfangs zwar noch kontern, musste in komplexen Passagen aber ebenfalls passen. Der Naim antwortete etwa bei Calexicos „Yours And Mine" („Garden Ruin“, beste Pop-CD von stereoplay 4/06) mit fesselnderer Musikalität, holografischerer Darstellung der Sänger und natürlicheren Klangfarben.

Er nimmt mit, umgibt den Zuhörer mit Musik. Der CD 555 verschweigt nichts, fügt die musikalischen Abläufe lebensechter zusammen, mehr als jeder andere CD-Spieler bisher. Sogar stereoplays Ultra-Analogo Dalibor Beric zollte dem CD 555 Respekt: „Er ist der erste CD-Spieler, bei dem ich eine Gänsehaut bekomme.“




Technische Daten und Testergebnisse

Allgemein  
Abmessungen (B x H x T) 43,0 x 20,5 x 32,0 cm
Gewicht 35,0 kg
Fernbedienung/lernfähig ja/nein
Ausgänge asymmetrisch/symm. ja/nein
Digitalausgänge TosLink/ST/Koax/XLR neinneinnein
Anzeige CD-/SACD-Text nein
lesefähig für CD-R/CD-RW ja/ja
Lautstärkeregelung nein
Kopfhörerausgang/regelbar nein
Zufalls-Titelwahl nein
HDCD-Wiedergabe ja
Messwerte  
Fehlerkorrektur Infoschicht CD 0,20 mm
Fehlerkorrektur Oberfläche CD 1,00 mm
Leistungsaufnahme Standby/ Betrieb 0/24,3 W
Bewertung  
Klang Absolute Spitzenklasse
Klangpunkte
(max. 70 Punkte)
65
Messwerte
(max. 10 Punkte)
8
Praxis
(max. 15 Punkte)
7
Wertigkeit
(max. 10 Punkte)
10
Gesamturteil
(max. 120 Punkte)
überragend 90 Punkte
Preis/Leistung sehr gut
getestet in Ausgabe: 6/06


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