Testbericht

Lautsprecher Sonus Faber Guarneri Memento

Testergebnis
57.0 Punkte
10000 EUR
Testverfahren: 1.0


Holger Biermann

8. März 2009

Kleine Box ganz groß: Die ­Guarneri Memento (10000 Euro das Paar) von Sonus Faber ist einer der schönsten und faszinierendsten Laut­sprecher unserer Zeit.

Lautsprecher Sonus Faber Guarneri Memento

Eine Besonderheit sind die bildschönen Schallwandler aus Vicenca ja sowieso: Weil die Macher von Sonus Faber ihre Lautsprecher immer schon als Instrument verstanden und zumindest die Modelle ihrer Top-Serie aus ausgesuchten Hölzern gestalten. Die Sonus Faber ­Elipsa und ihre große Schwester Stradivari gehören fraglos mit zum Schönsten, was das Standboxen-Genre hergibt. Doch die Kompaktboxen der Italiener, allen voran die neue Guarneri Memento für 10 000 Euro, sind immer noch ein Stückchen mehr besonders.

Die erste Guarneri entstand 1993, damals noch mit Hoch- und Tiefmitteltönern von Dyn­audio und einer hoch ambi­tionierten, Impuls-optimierten und seltenen Parallelweiche (der Kondensator sitzt nicht vor, sondern parallel zum Hochtöner) bestückt. Damit klang die Guar­neri von damals zwar bestechend schön, war aber sehr leise und bezüglich der angeschlossenen Verstärker höchst anspruchsvoll – eine richtige Diva.

Lautsprecher Sonus Faber Guarneri Memento
Bild vergrößern 751 http://img2.magnus.de/Lautsprecher-Sonus-Faber-Guarneri-Memento-r751x1000-C-ad517512-25019011.jpg Wie fast alle Edel­- Kompaktboxen ruft die Memento ihr gesamtes Klang­potential nur auf einem Ständer ab. Sie gehört deshalb auf den perfekt passenden, stabilen Guarneri-Fuß, mit dem sie auch ausgeliefert wird. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Wie fast alle Edel­- Kompaktboxen ruft die Memento ihr gesamtes Klang­potential nur auf einem Ständer ab. Sie gehört deshalb auf den perfekt passenden, stabilen Guarneri-Fuß, mit dem sie auch ausgeliefert wird.

Dem guten Klang fühlt man sich bei Sonus Faber mehr denn je verpflichtet: Der „große" (und sehr teure) Hochton-Ringstrahler von Scan Speak sowie ein 6-Zoll-Tiefmitteltöner vom Top-Zulieferer Audiotechnology gehören mit zum Besten, was der freie Lautsprechermarkt hergibt (Dyn­audio verkauft schon lange keine Einzelchassis mehr). Kleine Note am Rande: Ejvind Skaaning, der Kopf von Audiotechnology, hatte einst Dynaudio mit gegründet. In dem edlen 6-Zöller findet sich also auch in der neuen Guarneri noch ein bisschen Dynaudio...

Die Parameter des aufwendige Audiotechnology-Tiefmitteltöners lassen sich exakt an das recht kleine Gehäuse der Guarneri anpassen. Wohl auch deshalb reicht die Kleine im Bass bis zu respektablen 47 Hertz (-3 Dezibel) herab. Die Frequenzweiche der Guarneri Memento ist wie wie üblich als 6-Dezibel-Filter aufgebaut. Doch im Unterschied zur Ur-Guarneri liegen die Bauteile wie bei 99 Prozent aller Lautsprecher in Reihe „vor" und nicht parallel zu den beiden Treibern.

Aus Prinzip korrigieren die Italiener mit der – natürlich superb bestückten und mit Reinsilber verkabelten – Weiche so wenig wie möglich. Müssen sie auch nicht; die Amplitudenverläufe des Hoch- und des Tiefmitteltöners sind vorbildlich ­linear. Lediglich zwischen 500 und 1000 Hertz ist ein kleiner Anstieg im Frequenzgang – der aber gewollt sein könnte, sorgt er doch meist für mehr Frische und Sprachverständlichkeit.

Dank der neuen Treiber und dem gängigen Weichenkonzept benimmt sich die neue Guarneri längst nicht mehr so divenhaft wie die alte. Ihre Nenn-Impedanz rutscht nie unter 4 Ohm, und ihr Wirkungsgrad ist mit 82,5 Dezibel noch Rahmen des Normalen. „Die Menschen wollen heute einfache Lösungen“, erklärte Cesare Bevilacqua, Geschäftsführer von Sonus Faber, bei einem stereoplay-Besuch.

Das Gehäuse kann er damit allerdings nicht meinen. Das hübsche Tonmöbel in Rautenform besteht aus nicht weniger als 21 (!) Holzteilen. Die massiven Ahorn-Platten für die Seitenwände werden über ein Jahr gelagert, bevor sie bei geringer Hitze im Ofen den Rest an Feuchtigkeit verlieren. Dann werden sie verleimt und in einem aufwendigen Prozess siebenfach hochglanzlackiert (Farbausführungen: Red Violin und Graphite). Bei Sonus Faber weiß man viel über die Beschaffenheit und das akustische Verhalten von verschiedenen Hölzern. „Das ist alles made in Italy," versichert Cesare: „Nirgendwo sonst gibt es eine so tiefe Kenntnis vom Instrumentenbau wie hier."

Lautsprecher Sonus Faber Guarneri Memento
Bild vergrößern 751 http://img1.magnus.de/Lautsprecher-Sonus-Faber-Guarneri-Memento-r751x1000-C-81bfd85f-25019014.jpg Die Anfassqualität bei Sonus Faber ist kaum zu toppen. Die Seitenwände der Guarneri sind aus sechs Ahorn-Spanten aufgebaut. Sie wirkt damit viel eher wie ein edles Instrument als eine profane Lautsprecherbox. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Die Anfassqualität bei Sonus Faber ist kaum zu toppen. Die Seitenwände der Guarneri sind aus sechs Ahorn-Spanten aufgebaut. Sie wirkt damit viel eher wie ein edles Instrument als eine profane Lautsprecherbox.

Nun gilt die Guarneri Memento als Kompaktbox, ist aber in Wirklichkeit säulenheilig: Der schwere und speziell auf die Guarneri zugeschnittene Fuß ist wesentlicher Teil des Konzepts und dementsprechend im Set beziehungsweise im Kaufpreis mit enthalten. Warum dann nicht gleich eine Standbox? „Weil die Homogenität und räumliche Abbildung einer Kompakten mit einer großen Box nicht zu erreichen ist," sagt Bevilacqua, „auch wenn die Dynamik bei kleinen Lautsprechern naturgemäß eingeschränkt ist."

Der Mann kennt seine Guar­neri. Denn das machte die hübsche Italinerin sehr schnell klar: Für Pegelorgien jenseits der gehobenen Zimmerlautstärke ist sie nicht zu haben – die Verzerrungen steigen hörbar.

Im Gegenzug bietet sie einen für diese Größe (der Ständer ist ja nicht Teil des Gehäuses) sensationellen Tiefbass. Bei Terje Rypdals E-Bass-lastigem Hörtestklassiker „Kompet Gar" jedenfalls gab es bei den Testern nur ungläubiges Staunen: Ein solches Fundament, wuchtig, packend und den Raum so weit aufziehend, hat bei Kompaktboxen absoluten Seltenheitswert.

Noch beeindruckender aber geriet diese quasi-holografische Abbildung. Pepe Romeros grandioses „Flamenco" (bitte in der K2-Mastering-Version) inszenierte die Guarnerni wie ein exakt abgestimmtes Feuerwerk. Jeder Ton seiner Gitarre, jedes Schnalzen, jedes Fußaufstampfen der Tänzer hatte Kraft, eine klare Kontur und die genau richtige Position – in der Höhe wie in der Tiefe. Die Sonus schafft, was man sich als HiFi-Fan ­immer wünscht: eine richtig ­stabile Dreidimsionalität. Und das alles macht sie – vor allem im Mittelhochtonbereich – fantastisch locker und offen. Wenn man überhaupt etwas bekritteln wollte, dann die etwas geringe Spritzigkeit in den unteren Mitten, die Stimmen weniger farbig als gewohnt erscheinen ließ.

Nicht verschwiegen sein sollte aber auch, dass die Guarneri ihren Zauber im Hörraum erst nach penibler Aufstellungsarbeit (dicht an der Rückwand, leicht eingewinkelt) und an der richtigen Elektronik (überwältigend mit den Linn-Majik-Komponenten) entfachte. Doch wer sich die Mühe macht und nur geringe Pegelansprüche hegt, bekommt mit der edlen Guarneri Memento einen der ereignisreich­sten und schönsten Schall­wandler, die derzeit zu haben sind.


Technische Daten und Testergebnisse

Allgemeine Daten  
Breite 30,0 cm
Höhe 123,0 cm
Tiefe 48,0 cm
Gewicht:
Aufstellungs-Tipp: 20 bis 30 cm zur Rückwand. Für Räume bis 25 Quadratmeter
Messwerte  
Betriebsspannung für 90 dB SPL 4,7 V
Impedanz Minimum stp 4,2 Ohm
Maximallautstärke oberer Wert 99 dB
Maximale Lautstärke unterer Wert (>45 Hz) 99 dB
Untere Grenzfrequenz (-3dB) 47 Hz
Untere Grenzfrequenz (-6 dB) 40 Hz
Bewertung  
Natürlichkeit 11
Feinauflösung 13
Grenzdynamik 8
Bassqualität 11
Messwerte 10
Praxis 2
Wertigkeit 10
Kurzfazit Traumhaft verarbeitete, wunderbar fein klingende Kompaktbox, die aber auf den Guarneri-Ständer muss. In kleinen Räumen kaum zu toppen.
Klang 57
Testurteil überragend 120
Preis/Leistung gut - sehr gut
getestet in Ausgabe 2/09

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