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Testbericht

Lautsprecher Tannoy DC 10 T

Testergebnis
58.0 Punkte
5500 EUR
Testverfahren: 1.0

stereoplay


Wolfram Eifert

11. Juli 2009

Die tempramentvolle Tannoy DC 10 T (5500 Euro das Paar) empfiehlt sich besonders für eher zart gestimmte, kleinere Verstärker und für überdurchschnittlich große Räume; beides sind ihre Domänen.

Lautsprecher Tannoy DC 10 T

Lautsprecher Tannoy DC 10 T
Bild vergrößern 800 1066 http://img1.magnus.de/Lautsprecher-Tannoy-DC-10-T-r800x1066-C-4842b669-25230603.jpg Die zentrale Titankalotte ist von einer metallenen Streulinse umgeben. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Die zentrale Titankalotte ist von einer metallenen Streulinse umgeben.

Der schottische Boxenbauer Tannoy verfügt ähnlich wie KEF über eine lange Tradition im Bau von Punktstrahlern und gilt unter Kennern als einer ihrer Hauptprotagonisten. Neben Studio- und Bühnenmonitoren baut Tannoy zahlreiche Produktlinien für Heimanwendungen mit Koaxialsystemen unter der Verkaufsbezeichnung „Dual Concentric“.

Eine der jüngsten und für Audiophile interessantesten Baureihen ist die Definition-Linie, deren Topmodell DC 10 T uns zum Test zur Verfügung stand. Für runde 5500 Euro kommen zwei stämmige, immerhin 34 Zentimeter breite Standboxen ins Haus, deren furnierte und zusätzlich lackierte Gehäuse aus sanft gebogenem Birkenschichtholz gefertigt sind.

Lautsprecher Tannoy DC 10 T
Bild vergrößern 800 1159 http://img4.magnus.de/Lautsprecher-Tannoy-DC-10-T-r800x1159-C-364ec464-25230606.jpg Die fünfte Buchse rechts unten dient der Erdung über Heizungsrohre oder Wasserleitungen. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Die fünfte Buchse rechts unten dient der Erdung über Heizungsrohre oder Wasserleitungen.

Das Holz stammt von einer besonders schweren, langsam wachsenden Baumart und soll in Verbindung mit gezielt gesetzten Versteifungen einen besonders neutralen und feinen Klang sichern. So unübersehbar wie die Box sind auch die beiden 10 Zoll großen Chassis – eines ein reiner Tieftöner –, die der Tannoy in dieser Runde die größte Gesamtmembranfläche sichern.

Bis etwa 200 Hertz sind die gewaltigen, von Doppelsicken kontrollierten Konustreiber gemeinsam unterwegs, alles darüber obliegt dem oberen, in desser Mitte sich der Hochtöner versteckt, stark zurückversetzt hinter der Boxenfront.

Die 25 Millimeter große Kalottenmembran aus Titan muss in der DC 10 T bei frühen 1400 Hertz ans Werk, eine Oktave tiefer als üblich. Die unorthodoxe Trennung verhindert ein ausuferndes Abstrahlverhalten in den Mitten, das sonst bei einem 10-Zöller kaum zu vermeiden wäre.

Lautsprecher Tannoy DC 10 T
Bild vergrößern 800 935 http://img4.magnus.de/Lautsprecher-Tannoy-DC-10-T-r800x935-C-3134fbb9-25230609.jpg Tannoy verwendet vergleichsweise steile Membran-trichter und weit zurückversetzte Hochtöner. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Tannoy verwendet vergleichsweise steile Membran-trichter und weit zurückversetzte Hochtöner.

Wahrhaft unkonventionell handhabt Tannoy das Thema Frequenzweichen. Die fertig bestückten Platinen werden kurzzeitig auf 190 Grad unter Null abgekühlt, um die Mikrostruktur der Bauteile zu „entspannen“. Leichter nachvollziehbar ist der Effekt einer Erdungsbuchse, mit der die Briten schon seit vielen Jahren ihre gehobenen Modelle ausrüsten. In Umgebungen mit starken Funksignalen oder Elektrosmog ist der Effekt (mehr Ruhe, mehr Reinheit) bisweilen deutlich, mal nur schwach wahrnehmbar.

Auf jeden Fall eindeutig war der kraftvolle, fast schon gierige Klangcharakter der Britin, die ihr Publikum mit einer Direktheit und Spielfreude umgarnte, die so unmittelbar und magisch weder der zarter besaiteten KEF und schon gar nicht der wohl­erzogenen Piega gelang.

Lautsprecher Tannoy DC 10 T
Bild vergrößern 846 1260 http://img3.magnus.de/Lautsprecher-Tannoy-DC-10-T-r846x1260-C-f5c521f6-25230612.jpg Der Hochtöner im oberen Treiber ist nur bei genauem Hinsehen zu erkennen. Den Rahmen halten unsichtbare Magnete. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Der Hochtöner im oberen Treiber ist nur bei genauem Hinsehen zu erkennen. Den Rahmen halten unsichtbare Magnete.

Die DC 10 T konnte schmettern und trompeten, dass es eine wahre Freude war. Sie erwies sich zudem als ausgesprochen wattgenügsam und harmonierte als einzige in dieser Runde vollumfänglich mit körperhaft abgestimmten Röhrenverstärkern, die ihren überbordenden Spieltrieb auf höchst angenehme Art zu zähmen verstanden.

An der Referenz-Transistor­elektronik tönte die Tannoy deutlich kantiger als die Piega. Auch die KEF entpuppte sich als gefälliger und in der Summe homogener. Nur einen schmalen Grenzbereich bei komplexen Bassläufen und höchsten Pegeln verteidigte die Tannoy wie eine Bärenmutter ihr Junges. Somit empfiehlt sich die DC 10 T besonders für eher zart gestimmte, kleinere Verstärker und für überdurchschnittlich große Räume; beides sind ihre Domänen.

Stärken

+ Gelungene Verarbeitung. Braucht wenig Leistung. Temperamentvoll wie keine andere, macht mächtig Laune.

Schwächen

- Für kleinere Räume fast schon zu mächtig im Bassbereich.




Technische Daten und Testergebnisse

Allgemeine Daten  
Breite 33,9 cm
Höhe 112,5 cm
Tiefe 32,0 cm
Gewicht: 34,5 kg
Aufstellungs-Tipp: freistehend, Hörabstand ab 3 m, normal bedämpfte Räume bis 45 m²
Messwerte  
Betriebsspannung für 90 dB SPL 2,7 V
Impedanz Minimum stp 2,9 Ohm
Maximallautstärke oberer Wert 106 dB
Maximale Lautstärke unterer Wert (>45 Hz) 106 dB
Untere Grenzfrequenz (-3dB) 37 Hz
Untere Grenzfrequenz (-6 dB) 28 Hz
Bewertung  
Kurzfazit Großvolumige, routiniert verarbeitete Standbox mit Dual Concentric und reichlich Membranfläche. Tönt sehr kraftvoll, macht tierisch Laune.
Klang Absolute Spitzenklasse
Natürlichkeit 10
Feinauflösung 12
Grenzdynamik 12
Bassqualität 12
Abbildung 12
Klangpunkte
(max. 70 Punkte)
58
Messwerte 7
Praxis 5
Wertigkeit 7
Gesamturteil
(max. 120 Punkte)
gut - sehr gut 77
Preis/Leistung sehr gut
getestet in Ausgabe 6/09


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