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Testbericht

Musik-Server Naim HDX

Testergebnis
66.0 Punkte
6500 EUR
Testverfahren: 1.0

stereoplay


Hans-Ulrich Fessler

10. Oktober 2008

Die ältere Generation begeistert der HDX (6500 Euro) mit einfacher ­Bedienung, Youngster sind fasziniert von seinen Netzwerkfunktionen. Ist Naim mit diesem Server der große Wurf gelungen?

Musik-Server Naim HDX

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Musik-Server Naim HDX
Bild vergrößern 937 679 http://img4.magnus.de/Musik-Server-Naim-HDX-r937x678-C-caa6408d-25007088.jpg Mit im Lieferunfang: Fern­bedienung (links). Praktisch: Ein Web-Tablet spiegelt das Display; es kontaktiert den HDX über WLAN und LAN. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Mit im Lieferunfang: Fern­bedienung (links). Praktisch: Ein Web-Tablet spiegelt das Display; es kontaktiert den HDX über WLAN und LAN.

"Es gibt ja sogar Knöpfe!" Konservative Musikliebhaber freuen sich über den neuen, ungewöhnlich futuristisch aussehenden CD-Spieler namens HDX (6500 Euro) der britischen Highendmanufaktur Naim. Angesichts der Titel- und Albumlisten mutmaßt der neuzeitliche User, dass unter seinem stabilen Deckel ein riesiges Musik­archiv schlummern muss. Richtig! Zwei Festplatten mit jeweils 400 GB, jede mit Speicherplatz für 600 CDs, und ein drahtgebundenes Netzwerk arbeiten Hand in Hand. Die Rechnung von Naim könnte aufgehen: Wer eine CD hört, ist ­bereits süchtig. Er will sie auch speichern. Und das macht der HDX perfekt. Sein CD-ROM-Laufwerk liest nicht etwa highspeed Daten ein und korrigiert oder interpoliert nach dubiosen Verfahren Datenlöcher. Lieber geht er die CDs mit maximal 16-facher Geschwindigkeit gründlich durch, drosselt bei Drop-outs auf unter 1:1 und transferiert nur die fehlerfreien Original-CD-Daten auf die ­Festplatte. Im Extremfall, wenn eine Disc stark beschädigt ist, bricht er das Kopieren ab. ­Parallel zum Brennen klappert er diverse Internet-Datenbanken ab und holt sich Playlists und Background-Infos.

Musik-Server Naim HDX
Bild vergrößern 937 447 http://img4.magnus.de/Musik-Server-Naim-HDX-r937x446-C-c4e762dd-25007091.jpg © Julian Bauer
© Julian Bauer
Nach erledigtem Tagesgeschäft wird der Naim von sich aus nachtaktiv. Sind neue Alben auf der Festplatte (HardDisk Drive, HDD) dazu gekommen, trennt er die von den Datenbanken gelisteten Begleitinfos von den Musikdaten und überspielt letztere auf seine zweite Festplatte. Fehlen die Textergänzungen, geht er nochmals ins Internet, zum Schluss auf seine interne Datenbank und versucht, die Titellisten zu komplettieren. Der Besitzer merkt von alledem nichts, sondern wundert sich ein ums andere Mal, wie es die Entwickler geschafft haben, eine Bedienoberfläche unterzubringen, die ihresgleichen sucht: Auf dem Touchscreen sind das Setup des Players, alle Such-, Ripping- und Archivfunktionen sowie die komplette Bedienung inklusive Coveranzeige vereint. Und das in einer durchdachten Einfachheit, die so selbsterklärend ist, dass man die Bedienungsanleitung spontan beiseite lässt und gleich loslegt.

Rippen zum Beispiel: CD einschieben, den entsprechenden Me­nüpunkt auswählen, das war‘s! Der HDX verbindet sich im LAN-Netzwerk mit dem Internet und durchsucht zuerst die professionelle Musikdatenbank von AMG; wird er dort nicht fündig, die freie Datensammlung von FreeDB. Sogar eine interne Datenbank sorgt im Internetlosen Notfall für Erkennung der gängigsten CDs.

Musik-Server Naim HDX
Bild vergrößern 937 445 http://img2.magnus.de/Musik-Server-Naim-HDX-r937x444-C-526c43c4-25007094.jpg Geht während des Rippens ins Internet und sucht nach Künstlern, Album und Titelnamen. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Geht während des Rippens ins Internet und sucht nach Künstlern, Album und Titelnamen.

Sobald die CD auf Festplatte gespeichert ist, schlägt die beeindruckende Stunde des ­äußerst cleveren Archivierungskonzepts. Naim setzt auf Informationen auf  Titelebene, die weit über gängige, aber einfachere Archivierungs-Schemata hinausgehen. Nicht nur Albumnamen, Interpret und Titel werden erfasst, auch Komponisten, Texter, Dirigenten und andere wichtigen Daten fragt der HDX beim professionellen AMG-Service ab und speichert sie, was gleichbedeutend damit ist, dass der Besitzer damit auf Suche gehen kann – und das nicht nur bezogen auf ein Album, sondern auf jeden einzelnen Titel. Eine Suche nach Johnny Cash beispielsweise bringt nicht nur seine auf den HDX gerippten CDs aufs Display, sondern auch Alben anderer Künstler, in denen er als Gastsänger oder Duettpartner auftritt. Sogar Coverversionen anderer Interpreten, die von ihm komponiert oder getextet wurden, findet das Sys­tem.

Im stereoplay-Bedientest wurde aber auch schnell ein kleiner Haken deutlich: FreeDB liefert solch umfangreiche Informationen nicht. Wenn AMG die CD nicht kennt, ist Schicht im Schacht für solch wichtige Zusatz-Infos – händisch nachpflegen lassen sie sich (zur Zeit) leider nicht. Naim verspricht aber: „Wenn AMG mehrfach Abfragen zum gleichen unbekannten Album erhält, werden dessen Daten manuell in die Datenbank aufgenommen.

Musik-Server Naim HDX
Bild vergrößern 937 761 http://img1.magnus.de/Musik-Server-Naim-HDX-r937x761-C-85b8848d-25007097.jpg Ganz schön raffiniert: der HDX entkoppelt konsequent den Digital- vom Analogteil. Hochfrequente Musikdaten laufen über Trafos, niederfrequente Steuersignale über Optokoppler. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Ganz schön raffiniert: der HDX entkoppelt konsequent den Digital- vom Analogteil. Hochfrequente Musikdaten laufen über Trafos, niederfrequente Steuersignale über Optokoppler.

Weiterer Pluspunkt für eine sorgenfreie Bedienung des Naim: Über jeden Internet-Browser (zum Beispiel Internet Explorer) lässt sich die Bedienoberfläche auf Laptops, PocketPCs oder internetfähige Handys holen. Das macht die Fern-Bedienung universell, weil keine zusätzliche Software installiert werden muss. Besser geht‘s wohl kaum.

Hängt eine Festplatte oder ein NAS-HardDisk-Verbund am USB- oder Netzwerkeingang des Naim, scannt er die Inhalte, zeigt sie auf seinem Display an und gibt sie wieder – von MP3 über WMA, AAC und FLAC bis hin zu High-Resolution mit 192 kHz / 24 Bit. Je nach Größe der Datenarchive dauert es allerdings recht lange, bis er die Verzeichnisse verinnerlicht hat. Leider kopiert er von extern nichts intern. Schade auch: Wird die externe Quelle abgestöpselt, vergisst der Naim deren Inhalt. Doppelt schade: Sein eigenes Musikarchiv behält er für sich und lässt keine Kopien zu.

Ist die Bedienung schon einzigartig, lässt Naim auch in der technischen Ausstattung des Festplattenrecorders nichts anbrennen. Angefangen von einem konventionellen Netzteil bis hin zu Opto- (für Steuersignale) und Trafo-Koppler (für hochfrequente Musikdaten) zwischen dem Digital- und Analogpart. Als Wandler entschied sich Naim aus klanglichen Gründen für einen ultrapräzisen Konverterbaustein des amerikanischen Herstellers Burr-Brown.

Musik-Server Naim HDX
Bild vergrößern 937 548 http://img2.magnus.de/Musik-Server-Naim-HDX-r937x547-C-a6251fda-25007100.jpg Das Startmenü: „System“ legt fest, ob der HDX als Player oder Recorder arbeiten soll. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Das Startmenü: „System“ legt fest, ob der HDX als Player oder Recorder arbeiten soll.

Apropos Netzteil: Mit den externen Kraftwerken XPS (4000 Euro) und CD 555 PS (6800 Euro) bietet Naim erste Upgrades für den HDX an.

Solo als CD-Spieler gab sich der HDX eher schlank denn übertrieben voluminös. Er spielte mit einer erfrischenden Leichtigkeit auf und bot wie etwa der Naim CD 5x (3/05) eine weitreichende Raumabbildung mit fest fixierten Positionen und ­plastisch abgebildeten Instrumenten. 62 Punkte, Grund zum Feiern. Doch es ging noch ­besser: Dieselben Musikstücke klangen von der Festplatte noch eleganter und leichtfüßiger, der Bass zeigte mehr Bewegung und schnurrte zufriedener.

Würde sich vielleicht mit den teuren Zusatz-Umspannern der Klang noch weiter verbessern? Mit dem CD 555 PS machte Musikhören plötzlich noch mal deutlich mehr Spaß. Der Raum legte in seinen Dimensionen zu, er wirkte noch „lebendiger“. Bässe zeigten mehr Fasern und Muskeln, Stimmen atmeten ­freier. HDX mit Zusatz-Netzteil macht süchtig.

Erst recht, wenn der Naim via LAN Musikdaten in Master-Audio-Qualität zugespielt bekam. Dann war die Illusion so perfekt, als säße der Hörer in der Aufnahmeregie. Besser als der Laufwerklose Linn Klimax DS (2/08) war die Naim-Kombi zwar nicht. Aber: Mit ihrem Musikarchiv darf sie sich zu Recht „erster audiophiler Festplattenspieler der Welt" nennen. 





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