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Testbericht

Plattenspieler Pro-Ject PerspeX + Tonarm 9 cc Evolution

Testergebnis
47.0 Punkte
1400 EUR
Testverfahren: 1.0

stereoplay


Dalibor Beric

15. März 2008

Echte Neuerungen sind bei Plattenspielern rar. Das mit Magneten entkoppelte Subchassis des PerspeX für 1400 Euro ist eine. Wie es sich klanglich auswirkt, verrät dieser Weltexklusivtest.

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Es mutet wie eine Rolle rückwärts an. Alle in den letzten acht Jahren von Pro-Ject entwickelten Plattenspieler besaßen kein Subchassis. Viele Analogfans glaubten, dass man aus Wien nur noch Massespieler zu erwarten habe. Doch Pro-Ject Chef Lichtenegger ist ein pragmatischer Typ und weiß, dass unterschiedliche Einsätze unterschiedliche Lösungen erfordern. So gibt es nun mit dem PerspeX, der samt Tonarm 9cc Evolution 1400 Euro kostet, doch wieder einen Pro-Ject mit Subchassis, das sogar in einzigartiger Weise mit Magneten entkoppelt ist.

Pro-Ject PerspeX Subvchassis
Bild vergrößern 937 409 http://img2.magnus.de/Pro-Ject-PerspeX-Subvchassis-r937x409-C-9f375e20-25027297.jpg Damit das Subchassis nicht aus der Lage rutscht, gibt es beim PerspeX zwei in Gummi laufende Führungsachsen. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Damit das Subchassis nicht aus der Lage rutscht, gibt es beim PerspeX zwei in Gummi laufende Führungsachsen.

Denn mit einer profanen Entkopplung mittels Federn, wie etwa beim Perspective (2/01), ist Lichtenegger nicht mehr zufrieden: Federn klängen immer ein wenig mit und wären schwierig einzustellen. Was nachvollziehbar ist, schließlich funktioniert eine Entkopplung nur, wenn sie fein anspricht und ausschließlich wie ein Kolben arbeitet, also bei Anregung nicht in Eigendynamik verfällt. Doch auch die Entkopplung des Subchassis mit Magneten ist nicht leicht zu realisieren: Es muss gewährleistet sein, dass die Magneten das abstoßende Feld nicht verlasssen.

Also installierte Lichtenegger zwei Führungsachsen. Damit aber dort die Entkopplung nicht außer Kraft gesetzt wird, setzte er in die beiden ­Löcher im Subchassis Gummi­tüllen ein, um den Kontakt ­zwischen Führungsachsen und Subchassis zu minimieren. Dies entpuppte sich aber als neu­ralgischer Punkt am PerspeX, der viel Feinarbeit und Hörproben erforderte. Denn die Frage war, wie dick der Gummi sein darf, um das Subchassis in der genauen Position zu halten, ­ohne dabei die Entkopplung zu beeinträchtigen.

Auf das Ergebnis ist Lichtenegger so stolz, dass er dazu auffordert, bei ausgeschaltetem Motor die Nadel in die Leer­rille aufzusetzen und auf die Unterlage oder gar die Grundplatte zu klopfen. Und wirklich, aus den Lautsprechern hört man nichts, man sieht nur die Tieftöner nachschwingen, was bedeutet, dass es nur eine Kopplung im subsonischen Bereich gibt.

Lager Pro-Ject PerspeX
Bild vergrößern 724 1000 http://img2.magnus.de/Lager-Pro-Ject-PerspeX-r724x1000-C-1e041f25-25027294.jpg Der Teller dreht sich beim PerspeX auf einem Inverslager mit Keramikkugel. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Der Teller dreht sich beim PerspeX auf einem Inverslager mit Keramikkugel.

Dass es bei einem Plattenspieler aber auf viele weitere Details ankommt, ist auch dem Pro-Ject-Chef bekannt. So entschied er sich bei der Materialwahl des PerspeX-Subchassis nicht wie beim Perspective für Metall, sondern für den Kunststein Corian, der Resonanzen gut dämpft und trotzdem sehr steif ist.

Bei den anderen Teilen bediente er sich dann aus dem in der Zwischenzeit umfangreichen Sortiment der Firma. So steht die Acryl-Grundplatte wie die letzten Pro-Ject-Versionen auf Sorbothan-bedämpften, höhenverstellbaren Füßen. Auch das Lager ist die Kennern wohlvertraute Invers-Version, wo sich eine in den Teller eingeklebte und mit einem Teflon-Lagerspiegel versehene Bronzebüchse auf einer Keramikkugel um eine polierte Edelstahlachse dreht. Den Teller aus Mitteldichter ­Faserplatte (MDF) und aufgeklebter Vinylauflage übernahm er ebenfalls. Als Motor dient ein bewährter 24-poliger Synchrontyp, den eine Phasenschieber-Schaltung ansteuert.

Weiterentwickelt ist hingegen der Tonarm 9 cc, der nun den passenden Beinamen Evolution trägt. Sein Tonarmrohr besteht zwar schon wie bisher aus ­Kohlefaser, doch die Form ist optimiert. Zudem bekam er noch enger tolerierte Lager und eine massivere Aufnahme für diese. Die Bedämpfung des Gegen­gewichts erfolgt nicht mehr am hinteren Rohr mit Gummi, sondern im Gegengewicht selbst, und zwar mit Sorbothan. Beibehalten hat der Pro-Ject-Entwickler die vorbildliche Möglichkeit, das Tonarmrohr zu verdrehen, um den Nadelazimut so zu optimieren, dass er beide Rillenflanken genau gleich abtastet. Von diesem neuen Tonarm ist Lichtenegger so überzeugt, dass er anbietet, beim Kauf eines 9 cc Evolution andere Pro-Ject-Arme für 400 Euro in Zahlung zu nehmen, und zwar unabhängig vom Modell.

Pro_Ject Tonarm
Bild vergrößern 937 704 http://img4.magnus.de/Pro-Ject-Tonarm-r937x704-C-70869dbe-25027300.jpg Der Tonarm 9 cc Evolution bekam eine massivere Lageraufnahme und ein neues Gegen­gewicht, das hinten mit Sorbothan bedämpft ist . © Julian Bauer
© Julian Bauer

Der Tonarm 9 cc Evolution bekam eine massivere Lageraufnahme und ein neues Gegen­gewicht, das hinten mit Sorbothan bedämpft ist .

Im Hörraum probierten die Tester erst mal unterschiedliche Tische aus, um festzustellen, wie empfindlich der PerspeX auf seine Unterlage reagiert. Und wirklich, nachdem sowohl die Grundplatte als auch das Subchassis austariert waren, konnte man nur geringe klangliche Unterschiede wahrnehmen, egal ob der Pro-Ject auf einem Rack von Hutter, von Naim (12/01) oder auf einem Time Table (10/07) stand. Dies zeigte, wie gut die Entkopplung des PerspeX funktioniert, denn etwa ein Rega P 5 (1/05) oder ein Funk Firm The Funk (11/06) reagierten viel empfindlicher auf ihren Unterstand. Für den weiteren Vergleich entschieden sich die Tester, den Time Table zu verwenden, da auf diesem alle drei Platten­spieler am besten klangen.

Den Hörtest eröffnete der PerspeX mit dem Ortofon Valencia, denn diese Kombination bietet der deutsche Vertrieb für 2000 Euro an (275 Euro weniger als die Summe der Einzelteile). Diese Verbindung beeindruckte mit höchst detailreicher Wiedergabe, ohne aber ungebührliche Härten zuzufügen. Auch leise Pas­sagen vermittelte sie sehr spannend, da vor dem sauberruhigen Hintergrund kein einziges Detail verlorenging.

So waren die Tester gespannt, wie sich der PerspeX im Vergleich zum Klassen­primus Funk Firm The Funk schlagen würde. Dafür montierten sie in beide Plattenspieler jeweils ein ­Reson Reca (2/06) und wechselten die Nadelträger hin und her, um möglichst identische Voraussetzungen für einen objektiven Vergleich zu schaffen.Dieser führte zu verblüfften Gesichtern. Nicht nur, dass der PerspeX den Platten mehr Details entlockte, was bei Stimmen zu ausdrucksvollerer Artikulation führte, auch großorchestrale Tutti-Passagen erklangen so unverkrampft und weiträumig, wie man es in dieser Preisklasse noch nie vernommen hatte.

Nun wäre es denkbar, dass der PerspeX sich solche Vorteile mit zu wenig Direktheit erkauft. Diese Vermutung wurde jedoch durch weitere Hörtests mit dem Referenzabtaster Lyra Titan i (6/06) widerlegt. Nun legte der PerspeX los wie die sprichwörtliche Feuerwehr und ließ kein Auge trocken. Da konnte das Urteil nur noch stereoplay Highlight lauten, verbunden mit einem großen Kompliment nach Wien.




Technische Daten und Testergebnisse

Allgemein  
Maße (B x T x H) 46,0 x 20,0 x 35,0 cm
Gewicht: 9,7 kg
Messwerte  
Gleichlauf bewertet 0,061 %
Solldrehzahl-Abweichung 0,10 %
Rumpelstörabstand (bewertet)
Mess-Schallplatte/-Koppler 73/83 dB
Bewertung  
Kurzfazit
Klang Spitzenklasse
Klangpunkte
(max. 70 Punkte)
47
Messwerte
(max. 10 Punkte)
9
Praxis
(max. 15 Punkte)
7
Wertigkeit
(max. 10 Punkte)
8
Gesamturteil
(max. 120
gut - sehr gut 71 Punkte
Preis/Leistung überragend
getestet in Ausgabe: 4/08


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