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Plattenspieler Pro-Ject PerspeX + Tonarm 9 cc Evolution
Echte Neuerungen sind bei Plattenspielern rar. Das mit Magneten entkoppelte Subchassis des PerspeX für 1400 Euro ist eine. Wie es sich klanglich auswirkt, verrät dieser Weltexklusivtest.
Es mutet wie eine Rolle rückwärts an. Alle in den letzten acht Jahren von Pro-Ject entwickelten Plattenspieler besaßen kein Subchassis. Viele Analogfans glaubten, dass man aus Wien nur noch Massespieler zu erwarten habe. Doch Pro-Ject Chef Lichtenegger ist ein pragmatischer Typ und weiß, dass unterschiedliche Einsätze unterschiedliche Lösungen erfordern. So gibt es nun mit dem PerspeX, der samt Tonarm 9cc Evolution 1400 Euro kostet, doch wieder einen Pro-Ject mit Subchassis, das sogar in einzigartiger Weise mit Magneten entkoppelt ist.
Damit das Subchassis nicht aus der Lage rutscht, gibt es beim PerspeX zwei in Gummi laufende Führungsachsen.
Also installierte Lichtenegger zwei Führungsachsen. Damit aber dort die Entkopplung nicht außer Kraft gesetzt wird, setzte er in die beiden Löcher im Subchassis Gummitüllen ein, um den Kontakt zwischen Führungsachsen und Subchassis zu minimieren. Dies entpuppte sich aber als neuralgischer Punkt am PerspeX, der viel Feinarbeit und Hörproben erforderte. Denn die Frage war, wie dick der Gummi sein darf, um das Subchassis in der genauen Position zu halten, ohne dabei die Entkopplung zu beeinträchtigen.
Auf das Ergebnis ist Lichtenegger so stolz, dass er dazu auffordert, bei ausgeschaltetem Motor die Nadel in die Leerrille aufzusetzen und auf die Unterlage oder gar die Grundplatte zu klopfen. Und wirklich, aus den Lautsprechern hört man nichts, man sieht nur die Tieftöner nachschwingen, was bedeutet, dass es nur eine Kopplung im subsonischen Bereich gibt.
Der Teller dreht sich beim PerspeX auf einem Inverslager mit Keramikkugel.
Bei den anderen Teilen bediente er sich dann aus dem in der Zwischenzeit umfangreichen Sortiment der Firma. So steht die Acryl-Grundplatte wie die letzten Pro-Ject-Versionen auf Sorbothan-bedämpften, höhenverstellbaren Füßen. Auch das Lager ist die Kennern wohlvertraute Invers-Version, wo sich eine in den Teller eingeklebte und mit einem Teflon-Lagerspiegel versehene Bronzebüchse auf einer Keramikkugel um eine polierte Edelstahlachse dreht. Den Teller aus Mitteldichter Faserplatte (MDF) und aufgeklebter Vinylauflage übernahm er ebenfalls. Als Motor dient ein bewährter 24-poliger Synchrontyp, den eine Phasenschieber-Schaltung ansteuert.
Weiterentwickelt ist hingegen der Tonarm 9 cc, der nun den passenden Beinamen Evolution trägt. Sein Tonarmrohr besteht zwar schon wie bisher aus Kohlefaser, doch die Form ist optimiert. Zudem bekam er noch enger tolerierte Lager und eine massivere Aufnahme für diese. Die Bedämpfung des Gegengewichts erfolgt nicht mehr am hinteren Rohr mit Gummi, sondern im Gegengewicht selbst, und zwar mit Sorbothan. Beibehalten hat der Pro-Ject-Entwickler die vorbildliche Möglichkeit, das Tonarmrohr zu verdrehen, um den Nadelazimut so zu optimieren, dass er beide Rillenflanken genau gleich abtastet. Von diesem neuen Tonarm ist Lichtenegger so überzeugt, dass er anbietet, beim Kauf eines 9 cc Evolution andere Pro-Ject-Arme für 400 Euro in Zahlung zu nehmen, und zwar unabhängig vom Modell.
Der Tonarm 9 cc Evolution bekam eine massivere Lageraufnahme und ein neues Gegengewicht, das hinten mit Sorbothan bedämpft ist .
Den Hörtest eröffnete der PerspeX mit dem Ortofon Valencia, denn diese Kombination bietet der deutsche Vertrieb für 2000 Euro an (275 Euro weniger als die Summe der Einzelteile). Diese Verbindung beeindruckte mit höchst detailreicher Wiedergabe, ohne aber ungebührliche Härten zuzufügen. Auch leise Passagen vermittelte sie sehr spannend, da vor dem sauberruhigen Hintergrund kein einziges Detail verlorenging.
So waren die Tester gespannt, wie sich der PerspeX im Vergleich zum Klassenprimus Funk Firm The Funk schlagen würde. Dafür montierten sie in beide Plattenspieler jeweils ein Reson Reca (2/06) und wechselten die Nadelträger hin und her, um möglichst identische Voraussetzungen für einen objektiven Vergleich zu schaffen.Dieser führte zu verblüfften Gesichtern. Nicht nur, dass der PerspeX den Platten mehr Details entlockte, was bei Stimmen zu ausdrucksvollerer Artikulation führte, auch großorchestrale Tutti-Passagen erklangen so unverkrampft und weiträumig, wie man es in dieser Preisklasse noch nie vernommen hatte.
Nun wäre es denkbar, dass der PerspeX sich solche Vorteile mit zu wenig Direktheit erkauft. Diese Vermutung wurde jedoch durch weitere Hörtests mit dem Referenzabtaster Lyra Titan i (6/06) widerlegt. Nun legte der PerspeX los wie die sprichwörtliche Feuerwehr und ließ kein Auge trocken. Da konnte das Urteil nur noch stereoplay Highlight lauten, verbunden mit einem großen Kompliment nach Wien.
Technische Daten und Testergebnisse
| Allgemein | |
|---|---|
| Maße (B x T x H) | 46,0 x 20,0 x 35,0 cm |
| Gewicht: | 9,7 kg |
| Messwerte | |
| Gleichlauf bewertet | 0,061 % |
| Solldrehzahl-Abweichung | 0,10 % |
| Rumpelstörabstand (bewertet) | |
| Mess-Schallplatte/-Koppler | 73/83 dB |
| Bewertung | |
| Kurzfazit | |
| Klang | Spitzenklasse |
| Klangpunkte (max. 70 Punkte) |
47 |
| Messwerte (max. 10 Punkte) |
9 |
| Praxis (max. 15 Punkte) |
7 |
| Wertigkeit (max. 10 Punkte) |
8 |
| Gesamturteil (max. 120 |
gut - sehr gut 71 Punkte |
| Preis/Leistung | überragend |
| getestet in Ausgabe: | 4/08 |

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