Testbericht

Röhrenvollverstärker KR Kronzilla SXi Purist

Testergebnis
60.0 Punkte
17500 EUR
Testverfahren: 1.0


Johannes Maier

18. Februar 2008

KR, der tschechische Hersteller des Kronzilla Purist SXi für 17 500 Euro, gibt sich wesentlich verschlossener. Da der Vollverstärker aber ohne jegliche Korrektur-Gegenkopplungsschleife (der V 80 leistet sich eine dezente) auskommen und trotzdem pro Kanal bis zu 50 Watt liefern will, dürfen sich die Speisespannungen nicht den geringsten Störaufschlag leisten.

Der Drang zum Urprinzip, das zu allernatürlichsten Klirrspektren führt und den Lautsprechern keinerlei Rückwirkungswege offeriert, erfordert auf jeden Fall ein urgewaltiges wie ursauberes Netzteil. Ergo haben die Schüler des weltweit anerkannten, verstorbenen Firmenbegründers Dr. Riccardo Kron in den SXi nicht nur einen Gigant-Ringkern-Umspanner eingebaut, sondern auch eine kaum minder eisenschwere Drossel­spule, die  zusammen mit zig extra temperaturfesten Elkos (105 statt 85 Grad) ein besonders wirksames Schmutzfilter bildet.

KR Kronzilla SXi Purist Inneansicht
Bild vergrößern 937 http://img3.magnus.de/KR-Kronzilla-SXi-Purist-Inneansicht-r937x687-C-f5bc7e46-25193172.jpg Im glänzenden Kästchen steckt ein brauchbares, nur leicht matt tönendes MC-Phonoteil, daneben die ICs für die XLR-Desymmetrierung. Die Mundorf-Caps zwischen Vor- und Endstufe halten 1200 Volt aus, damit bei Röhrenschäden nichts weiteres anbrennt. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Im glänzenden Kästchen steckt ein brauchbares, nur leicht matt tönendes MC-Phonoteil, daneben die ICs für die XLR-Desymmetrierung. Die Mundorf-Caps zwischen Vor- und Endstufe halten 1200 Volt aus, damit bei Röhrenschäden nichts weiteres anbrennt.

So dürfen die von KR selber entwickelten, 30 Zentimeter hohen­ Trioden T 1610 wie bei stereoplays Referenz-Monoblöcken Double Kronzilla (10/02) auch beim SXi auf die probate Ernährung hoffen. Hier wie dort – nun muss pro Kanal aber eine statt zwei T 1610 reichen – laufen die strompotenten Multikathoden-Röhren, die KR ganz bewusst mit kernigen Hochspannungs-Trans­istoren ansteuert, single-ended Class A: Von einem besonders günstigen Punkt auf der Arbeitskennlinie ausgehend, holen die Musiklenkungen genauso nach oben wie nach unten aus. In den Pausen fließt stets viel Strom, der nicht nur Hörräume aufheizt, sondern normale Ausgangsübertrager in die magnetische Sättigung treibt. Nur nicht – die Frage „warum" führte zu eisernem Schweigen – die beiden Kühlrippen-bewehrten Kapsel-Riesen-Umspanner von KR.

Im Hörtest betrat dann die Jury mit KRs SXi in ein Musik-Traumschloss. Unfassbar: Ein einzelner Ton, etwa zu Anfang von Peder af Ugglas‘ „Beyond" (Opus-3-SACD, 2/08), tönte plötzlich nicht mehr wie Vorgeplänkel, sondern nahm die Gestalt eines geheimnisvollen Keim-Universums an.


Bild vergrößern 937 http://img2.magnus.de/image-r937x890-C-58c7fc99-25193175.jpg Die SXi-Version des KR-Amps bekam besonders edle Bauteile, unter anderem die Nextgen-Buchsen und -Klemmen von WBT. © Julian Bauer
© Julian Bauer

Die SXi-Version des KR-Amps bekam besonders edle Bauteile, unter anderem die Nextgen-Buchsen und -Klemmen von WBT.

Man wollte ihn drehen  und wenden und – während die Zeit scheinbar stehen blieb – von allen Seiten betrachten. Während dann lebendig schillernde  Tonteilchen quasi hellseherisch auf die Weiterführung der Komposition hindeuteten. Au weia, und dann kam‘s, dann nahm ein warmes, all­umfassendes  Wogen den Hörer direkt an die Brust der Musik. Da gab‘s kein Entrinnen, da trugen statt anderer Vehikel majetätisch ausholende Bassschwingen die Verdutzten dahin. Da spannten sich und zingerten die Gitarrensaiten nicht nur erschreckend echt und direkt, da brannte die sehnende Weise direkt ins Herz.

Ähnliches, vielleicht noch ein bisschen mehr magic, hatten die Tester bis dato nur beim Unison Absolute vernommen (30 000 Euro, 8/04, 61 Punkte). Aber vielleicht steigert sich der KR SXi ja noch. Denn seit seiner Ankunft unterliegt er der Dauer-Einbrennphase: Ob Tester, Freunde, Besucher: Über ihn wird stets und ständig – und viele Platten neu – gehört!


Technische Daten und Testergebnisse

Allgemein  
Abmessung (B x H x T) 38,5 x 41,5x 55,0 cm
Gewicht 50,0 kg
Features  
Gattung (Rec. / Vollv.) Vollverstärker
Fernbedienung vorhanden ja
System-Fernbedienung/ lernfähig ja/nein
Frontplatte schwarz/silbern/champagner nein/ja/nein
Frontplatte andere Fb. nein
Muting ja(via FB)
Klangregler/abschaltbar nein/nein
Loudness nein
Monitorschalter ja
Aufnahmewahlschalter audio nein
Netzbuchsen geschaltet/ungeschaltet 0/0
Senderspeicher/Speicherautomatik 0/nein
Sendersp. mit aut. Sortierung nein
Anschlüsse  
Phono-Eingang MM/MC nein/ja
Eingänge Hochpegel Cinch/XLR 3/1
Digitaleingänge Cinch/XLR 0/0
Boxenausgänge A+B/schaltbar nein/nein
Kopfhörerbuchse nein
Pre-Out/Main-In 0/nein
Tape-Anschlüsse (ein/aus) 0
Prozessor-Eingang/-Ausgang nein/nein
Unity-Gain-Eingang nein
Pre-Out Subwoofer 0
Messwerte  
Sinusleistung Stereo 4 Ohm / 8 Ohm 21,0 W / 37,0 W
Musikleistung Stereo 4 Ohm / 8 Ohm 49,0 W / 33,0 W
Störabstand Line 96,0 dB(A)
Bewertung
Klang 60
Messwerte 8
Praxis 6
Wertigkeit 10
Bewertungstext Ein Verstärker, für den der Begriff High-End im vollen Umfang zutrifft. Der reine Class-A-Betrieb und das immens aufwendige Konzept, das den Verzicht auf Gegenkopplung ermöglicht, führen zu einem unfassbar lebendigen Klang.
stereoplay Testurteil
Klang Absolute Spitzenkl. 60 Punkte
Gesamturteil: 84 Punkte
Preis-Leistung sehr gut
getestet in Ausgabe: 3/08

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