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Testbericht

Standlautsprecher Phonar Credo Reference

Testergebnis
61.0 Punkte
9000 EUR
Testverfahren: 1.0

stereoplay Wolfram Eifert


Wolfram Eifert | Profil | Kontakt

13. Dezember 2011

Die kompakte Primus von Phonar (4000 Euro pro Paar) klingt schön rund – mit Potenzial nach oben: Noch mehr Autorität zeigt sie als Standbox Credo Refrence mit Bass-Modul (9000 Euro pro Paar).

Phonar Credo Reference
Bild vergrößern 751 1071 http://img2.magnus.de/Phonar-Credo-Reference-r751x1071-C-e7b1b75e-50950008.jpg Leicht angeschnittene Kanten veredeln das Design. Das Oberteil ist in dämpfenden Gummielementen gelagert. © Archiv
© Archiv

Leicht angeschnittene Kanten veredeln das Design. Das Oberteil ist in dämpfenden Gummielementen gelagert.

Festlegungen sorgen für Kontinuität, erschweren aber Veränderungen, die manchmal unumgänglich sind. Auch Lautsprecher sind meist nicht sonderlich anpassungsfähig. Wächst zum Beispiel mit einem Ortswechsel die Wohnfläche, klingt die ehemals souverän aufspielende Kompakte plötzlich dünn und karg. Oder der Anwender entdeckt im Lauf der Zeit seine Liebe zu Röhrenverstärkern – und muss fest­stellen, dass der Watt-Hunger seiner Schallwandler ihm die Freude daran verdirbt.

Phonar Credo Reference
Bild vergrößern 937 937 http://img4.magnus.de/Phonar-Credo-Reference-r937x937-C-3ff79630-50950013.jpg Der edle Hochtöner von Scan-Speak arbeitet mit einer sehr resonanzarmen Gewebekalotte. Papier ist der zentrale Werkstoff der Konusmembran. © Archiv
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Der edle Hochtöner von Scan-Speak arbeitet mit einer sehr resonanzarmen Gewebekalotte. Papier ist der zentrale Werkstoff der Konusmembran.

Auf solche Veränderungen ist kaum ein Lautsprecher vorbereitet. Kompakte lassen sich bloß in den seltensten Fällen in Standboxen verwandeln, auch eine maßgeschneiderte Teil­aktivierung ist nur bei sehr wenigen Boxenmodellen ab Werk bereits vorgesehen. Eine Ausnahme bildet die Credo Reference von Phonar aus dem Norden Deutschlands, genauer: aus der kleinen ­Gemeinde Tarp, wenige Kilometer südlich von Flensburg. Dort lebt und arbeitet ein Menschenschlag, der ungern große Worte verliert, dafür umso gründlicher seine Hausaufgaben zu machen pflegt.

Diese Sorgfalt ist bei der Credo Reference an allen Ecken und Kanten zu sehen und zu spüren. Die Oberflächen sowie die mechanischen Komponenten sind so perfekt verarbeitet, wie man es sich von einem ­Produkt „Made in Germany“ nur wünschen kann.

Phonar Credo Reference
Bild vergrößern 937 427 http://img1.magnus.de/Phonar-Credo-Reference-r937x426-C-8e2144da-50950021.jpg Die Elektronik zur Teilaktivierung der Reference beinhaltet eine Class-D-Endstufe für zwei Boxen, die 250 Watt leistet, sowie eine DSP-Einheit zur Raumanpassung. Preis: 2000 Euro. © Archiv
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Die Elektronik zur Teilaktivierung der Reference beinhaltet eine Class-D-Endstufe für zwei Boxen, die 250 Watt leistet, sowie eine DSP-Einheit zur Raumanpassung. Preis: 2000 Euro.

Das mit einer Höhe von 1,11 Metern nicht übertrieben große Tonmöbel besteht aus einem kompakten Oberteil namens Primus und einer separat erhältlichen Woofer-Einheit, die unter der Bezeichnung Optimus firmiert. Über Gummidämpfer gekoppelt, bilden sie das Spitzenmodell von Phonar.

Phonar Credo Reference
Bild vergrößern 739 1173 http://img2.magnus.de/Phonar-Credo-Reference-r739x1173-C-12c44db3-50950010.jpg Teilaktiv-Betrieb mit Raumkorrektur: Mit dem optionalen Bassmodul, den mitgelieferten Stopfen zum Verschluss des Bassreflexrohres der Kompaktbox und dem im Terminal integrierten Ortsfilter zur Hochtonanpassung ist das Credo-System klanglich ungleich flexibler als viele Wettbewerber. Weitere Spielräume bringt die Teilaktivierung des Basses durch eine eigens für diesen Zweck entwickelte Elektronik-Einheit. Die integrierte Endstufe befeuert die Basseinheiten und entlastet gleichzeitig den Hauptverstärker, der in diesem Fall lediglich das Oberteil treiben muss. Ebenfalls enthalten ist ein Signalprozessor mit vier unveränderlichen Korrekturkurven für typische Räume und einer völlig frei programmierbaren Filterbank zur individuellen Anpassung. Die Programmierung übernimmt der Fachhändler. © MPS
© MPS

Teilaktiv-Betrieb mit Raumkorrektur: Mit dem optionalen Bassmodul, den mitgelieferten Stopfen zum Verschluss des Bassreflexrohres der Kompaktbox und dem im Terminal integrierten Ortsfilter zur Hochtonanpassung ist das Credo-System klanglich ungleich flexibler als viele Wettbewerber. Weitere Spielräume bringt die Teilaktivierung des Basses durch eine eigens für diesen Zweck entwickelte Elektronik-Einheit. Die integrierte Endstufe befeuert die Basseinheiten und entlastet gleichzeitig den Hauptverstärker, der in diesem Fall lediglich das Oberteil treiben muss. Ebenfalls enthalten ist ein Signalprozessor mit vier unveränderlichen Korrekturkurven für typische Räume und einer völlig frei programmierbaren Filterbank zur individuellen Anpassung. Die Programmierung übernimmt der Fachhändler.

Die Teilung verhindert, dass Schwingungen der Basseinheit die Kompaktbox in ihrer klanglichen Entfaltung beeinträchtigen. Und sie schafft die Voraussetzung für den modularen ­Betrieb. Keimt der Wunsch nach größerer Basstiefe und Souverä­nität, werden einfach die Bass-Säulen untergeschoben.

Phonar Credo Reference
Bild vergrößern 937 586 http://img4.magnus.de/Phonar-Credo-Reference-r937x586-C-31c756b9-50950016.jpg Frequenzgang & Impedanzverlauf: Tief reichender Bass mit Betonung um 60 Hz, sonst sehr ausgewogen; Impedanz ≥4,1 Ohm © stereoplay
© stereoplay

Frequenzgang & Impedanzverlauf: Tief reichender Bass mit Betonung um 60 Hz, sonst sehr ausgewogen; Impedanz ≥4,1 Ohm

Der Übertragungsbereich des Oberteils wird in diesem Fall sanft beschnitten. Das erhöht die Belastbarkeit und verhindert ein zu tiefes Absacken der Impedanz. Ebenso wird die Reflexöffnung der Primus verschlossen; dies soll einen zu mächtigen Bass verhindern.

Subwoofer im Sockel

Weitere Klangsteigerungen ­ermöglicht eine externe Filter- und Verstärker-Einheit für das Bass-Teil. Diese namenlose Einheit kann nebenbei raum­bedingte Klangveränderungen ausgleichen. Auch macht sie den Basspegel variabel und entlastet so den Hauptverstärker, der dann nur noch das Oberteil antreiben muss. Mehr über die Elektronik im Kasten auf der folgenden Seite. Dass Phonar seine Chassis und Weichenbausteine nicht selbst herstellt, liegt an der überschaubaren Größe der inhabergeführten Firma, die ­lediglich 15 Mitarbeiter in Lohn und Brot hält.

Phonar Credo Reference
Bild vergrößern 937 586 http://img2.magnus.de/Phonar-Credo-Reference-r937x586-C-9bbc6737-50950017.jpg Pegel- & Klirrverlauf: Sehr geringer, nur im Tiefbass an­steigender Klirr; keine Kompression. © stereoplay
© stereoplay

Pegel- & Klirrverlauf: Sehr geringer, nur im Tiefbass an­steigender Klirr; keine Kompression.

Was ihre Bezugsquellen ­angeht, halten die Nordlichter nichts von Geheimniskrämerei. Die Chassis liefert der dänische Deluxe-Anbieter Scan-Speak. Es handelt sich um Komponenten aus der vornehmen Illuminator-Reihe.

Die Weichenbauteile liefert der Kerpener Spezialist Intertechnik. Entsprechend hochwertig und strompotent sind die Filter der Kombi bestückt; sie wurden mit Computer-Hilfe ­dimensioniert und fallen teilweise recht komplex aus.

Chassis vom Allerfeinsten

Die sündhaft teuren Chassis sind auf maximale Signaltreue getrimmt. Die Gewebekalotte nutzt dazu ein Magnetsystem aus mehreren kleinen Neodym-Scheiben, die eine vollauf ­symmetrische Bewegung der Schwingspule erlauben.

Die Tiefmitteltöner, ebenfalls Neodym-getrieben, sind Unterhang-Systeme, deren Luftspalt deutlich länger ausfällt als die Wickelhöhe der Schwingspule. Die geringere Windungszahl kostet etwas Wirkungsgrad; unter diesen ­Bedingungen findet aber das Schwingsystem selbst bei extremen Auslenkungen ein absolut lineares Magnetfeld vor.

Diese Sauberkeit bestätigt sich in den Messungen und erst recht im Hörtest. Primus und Optimus einen harschen Ton zu entlocken, ist fast nicht möglich. Die enorme Reinheit und Geschmeidigkeit erinnert an Boxen von Dynaudio oder Thiel, die international viel ­bekannter sind.

Die unaufgeregte Gangart lässt die Zweiteiler nur nicht überschäumend lebendig agieren. Allerdings sind es oftmals ­bestimmte Klirranteile und Besonderheiten im Frequenzgang, die ein Klangbild subjektiv „schnell“ machen. Boxen, die auf solche Mätzchen verzichten – dazu zählt die Kombi ganz eindeutig –, brauchen deshalb bisweilen etwas länger, um ihre Reize zu entfalten.

Wer sich die Zeit zur Ein­gewöhnung nimmt, wird mit einem wunderbar ausgewogenen Klangbild belohnt, das einen großen Reichtum an Farbtönen bereithält – auch wenn dabei nicht jedes beiläufige Schnalzen gleich zur Chefsache erhoben wird.

Die Primus erzeugt bereits im Alleingang einen sehr vollwertigen, tendenziell warmen und betont stressfreien Klangeindruck, dem es, wie bei sehr guten Kompaktboxen üblich, an nichts fehlt – außer etwas Substanz im ­Tiefbass und Unbeirrbarkeit bei komplexen Klängen oder gehobenen Lautstärken.

Die Basseinheiten steigern die Souveränität vorrangig bei tiefen Frequenzen, indirekt aber in allen Lagen. Die räumliche Abbildung gewinnt an Plasti­zität, selbst mit kleinen Besetzungen oder Hörbüchern, die in den Bässen sehr zurückhaltend ausgesteuert sind. Anwender mit größeren Räumen sollten Optimus mitbestellen oder für später ins Auge fassen, was ja den Reiz der Modul-Bauweise ausmacht.

Fazit

Phonar hat mit seinem Baukastensystem ein sehr gediegen klingendes Produkt auf die Beine gestellt, dessen Ausbaufähigkeit höchste Anerkennung verdient.




Technische Daten und Testergebnisse

Allgemeine Daten  
Breite 24,0 cm
Höhe 111,0 cm
Tiefe 40,5 cm
Gewicht: 38,0 kg
Aufstellungs-Tipp: frei stehend, Hörabstand ab 2,5 m, normal bedämpfte Räume bis 40 m²
Messwerte  
Betriebsspannung für 90 dB SPL 6,1 V
Impedanz Minimum stp 4,1 Ohm
Maximallautstärke oberer Wert 101 dB
Maximale Lautstärke unterer Wert (>45 Hz) 101 dB
Untere Grenzfrequenz (-3dB) 40 Hz
Untere Grenzfrequenz (-6 dB) 29 Hz
Bewertung  
Kurzfazit Modular aufgebaute Standbox,\r\nbestehend aus der Primus mit\r\nzusätzlichen Bassmodulen und\r\nentsprechender Filterung. Die\r\nErweiterung bringt bei gleicher\r\nGrundtendenz erheblich mehr\r\nBasskraft und Autorität. Auch\r\ndie Raumabbildung legt zu.
Klang Absolute Spitzenklasse
Natürlichkeit 12
Feinauflösung 13
Grenzdynamik 10
Bassqualität 12
Abbildung 14
Klangpunkte
(max. 70 Punkte)
61
Messwerte 7
Praxis 6
Wertigkeit 8
Gesamturteil
(max. 120 Punkte)
sehr gut 82
Preis/Leistung sehr gut
getestet in Ausgabe 11/11


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