
Kompaktbox Phonar Credo Primus
Die hochwertige kompakte Primus von Phonar (4000 Euro pro Paar) ist ein schön rund und geschmeidig musizierender Lautsprecher ohne jede Aufgeregtheit.
Leicht angeschnittene Kanten veredeln das Design.
Der edle Hochtöner von Scan-Speak arbeitet mit einer sehr resonanzarmen Gewebekalotte. Papier ist der zentrale Werkstoff der Konusmembran.
Diese Sorgfalt ist bei der Credo Reference an allen Ecken und Kanten zu sehen und zu spüren. Die Oberflächen sowie die mechanischen Komponenten sind so perfekt verarbeitet, wie man es sich von einem Produkt „Made in Germany“ nur wünschen kann.
Der Antrieb besteht aus mehreren Neodym-Scheiben für ein besonders lineares Übertragungsverhalten.
Mit dem optionalen Bassmodul, den mitgelieferten Stopfen zum Verschluss des Bassreflexrohres der Kompaktbox und dem im Terminal integrierten Ortsfilter zur Hochtonanpassung ist das Credo-System klanglich ungleich flexibler als viele Wettbewerber. Weitere Spielräume bringt die Teilaktivierung des Basses durch eine eigens für diesen Zweck entwickelte Elektronik-Einheit.
Frequenzgang & Impedanzverlauf: Leichte Bassbetonung um 80 Hz, sonst sehr ausgewogen, gutes Abstrahlverhalten; Impedanz ≥6,7 Ohm
Subwoofer im Sockel
Weitere Klangsteigerungen ermöglicht eine externe Filter- und Verstärker-Einheit für das Bass-Teil. Diese namenlose Einheit kann nebenbei raumbedingte Klangveränderungen ausgleichen. Auch macht sie den Basspegel variabel und entlastet so den Hauptverstärker, der dann nur noch das Oberteil antreiben muss. Mehr über die Elektronik im Kasten auf der folgenden Seite. Dass Phonar seine Chassis und Weichenbausteine nicht selbst herstellt, liegt an der überschaubaren Größe der inhabergeführten Firma, die lediglich 15 Mitarbeiter in Lohn und Brot hält.
Pegel- & Klirrverlauf: In den Mitten besonders niedriger Klirr; kaum Kompression
Die Weichenbauteile liefert der Kerpener Spezialist Intertechnik. Entsprechend hochwertig und strompotent sind die Filter der Kombi bestückt; sie wurden mit Computer-Hilfe dimensioniert und fallen teilweise recht komplex aus.
Benötigt für HiFi-gerechte Pegel Verstärker ab 48 Watt an 8 Ohm
Chassis vom Allerfeinsten
Die sündhaft teuren Chassis sind auf maximale Signaltreue getrimmt. Die Gewebekalotte nutzt dazu ein Magnetsystem aus mehreren kleinen Neodym-Scheiben, die eine vollauf symmetrische Bewegung der Schwingspule erlauben.
Die Tiefmitteltöner, ebenfalls Neodym-getrieben, sind Unterhang-Systeme, deren Luftspalt deutlich länger ausfällt als die Wickelhöhe der Schwingspule. Die geringere Windungszahl kostet etwas Wirkungsgrad; unter diesen Bedingungen findet aber das Schwingsystem selbst bei extremen Auslenkungen ein absolut lineares Magnetfeld vor.
Diese Sauberkeit bestätigt sich in den Messungen und erst recht im Hörtest. Primus und Optimus einen harschen Ton zu entlocken, ist fast nicht möglich. Die enorme Reinheit und Geschmeidigkeit erinnert an Boxen von Dynaudio oder Thiel, die international viel bekannter sind.
Die unaufgeregte Gangart lässt die Zweiteiler nur nicht überschäumend lebendig agieren. Allerdings sind es oftmals bestimmte Klirranteile und Besonderheiten im Frequenzgang, die ein Klangbild subjektiv „schnell“ machen. Boxen, die auf solche Mätzchen verzichten – dazu zählt die Kombi ganz eindeutig –, brauchen deshalb bisweilen etwas länger, um ihre Reize zu entfalten.
Wer sich die Zeit zur Eingewöhnung nimmt, wird mit einem wunderbar ausgewogenen Klangbild belohnt, das einen großen Reichtum an Farbtönen bereithält – auch wenn dabei nicht jedes beiläufige Schnalzen gleich zur Chefsache erhoben wird.
Die Primus erzeugt bereits im Alleingang einen sehr vollwertigen, tendenziell warmen und betont stressfreien Klangeindruck, dem es, wie bei sehr guten Kompaktboxen üblich, an nichts fehlt – außer etwas Substanz im Tiefbass und Unbeirrbarkeit bei komplexen Klängen oder gehobenen Lautstärken.
Die Basseinheiten steigern die Souveränität vorrangig bei tiefen Frequenzen, indirekt aber in allen Lagen. Die räumliche Abbildung gewinnt an Plastizität, selbst mit kleinen Besetzungen oder Hörbüchern, die in den Bässen sehr zurückhaltend ausgesteuert sind. Anwender mit größeren Räumen sollten Optimus mitbestellen oder für später ins Auge fassen, was ja den Reiz der Modul-Bauweise ausmacht.
Fazit
Phonar hat mit seinem Baukastensystem ein sehr gediegen klingendes Produkt auf die Beine gestellt, dessen Ausbaufähigkeit höchste Anerkennung verdient.
Technische Daten und Testergebnisse
| Allgemeine Daten | |
|---|---|
| Breite | 24,0 cm |
| Höhe | 40,0 cm |
| Tiefe | 34,1 cm |
| Gewicht: | 12,0 kg |
| Aufstellungs-Tipp: | frei stehend auf Boxenständern, Hörabstand ab 2 m, normal bedämpfte Räume bis 30 m² |
| Messwerte | |
| Betriebsspannung für 90 dB SPL | 6,2 V |
| Impedanz Minimum stp | 6,7 Ohm |
| Maximallautstärke oberer Wert | 104 dB |
| Maximale Lautstärke unterer Wert (>45 Hz) | 104 dB |
| Untere Grenzfrequenz (-3dB) | 47 Hz |
| Untere Grenzfrequenz (-6 dB) | 39 Hz |
| Bewertung | |
| Kurzfazit | Hochwertige Kompaktbox mit\r\nklassischer Zweiwege-Technik\r\nund modernsten Treibern von\r\nScan-Speak. Runder, sehr\r\ngeschmeidiger Klangcharakter\r\nohne jede Aufgeregtheit. Reich\r\nan Farbtönen, sehr fein in der\r\nArtikulation, zudem pegelfest. |
| Klang | Absolute Spitzenklasse |
| Natürlichkeit | 12 |
| Feinauflösung | 12 |
| Grenzdynamik | 9 |
| Bassqualität | 10 |
| Abbildung | 13 |
| Klangpunkte (max. 70 Punkte) |
56 |
| Messwerte | 8 |
| Praxis | 6 |
| Wertigkeit | 8 |
| Gesamturteil (max. 120 Punkte) |
gut - sehr gut 78 |
| Preis/Leistung | sehr gut |
| getestet in Ausgabe | 11/11 |

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