Blu-ray-Player von Onkyo und Yamaha im Vergleich
Diese zwei Player à 500 Euro könnten unterschiedlicher kaum sein. Für wen taugt der highendige Onkyo BD SP 809? Wer ist mit dem Yamaha-Alleskönner BD-A 1010 besser dran?
Angenommen, Sie haben einen 500-Euro-Schein in der Tasche und suchen einen Blu-ray-Spieler. Welcher Typ passt Ihnen besser? Feine Verarbeitung mit ordentlicher Ausstattung, bei der nichts Grundlegendes fehlt, aber auch wenige Extras enthalten sind?
Oder stört Sie eine Durchschnittsverarbeitung nicht, während Sie Wert darauf legen, dass Ihr neuer Player einfach alles kann und neben aktuellsten Features wie Audio- und Video-Streaming oder Youtube sogar die Medien SACD und DVD-Audio spielt?
Beide Varianten haben ihre Berechtigung, und beide sind in dieser Preisklasse so ziemlich einzigartig. Das sparsam ausgestattete Gerät hört auf den Namen Onkyo BD-SP 809 und bietet neben einer edel schimmernden gebürsteten Alufront mit runden Tasten einen mechanisch überdurchschnittlich robusten Korpus aus dickem Blech. Der Deckel besteht innen sogar aus zwei großflächig verbundenen Sandwich-Blechen gegen Mikrofonie.
An Ausstattung bringt der Onkyo alles mit, was heute ein Blu-ray-Player laut Norm beherrschen muss, von Java über BD-Live bis zum einzigen optionalen Feature, der Wiedergabe von 3D-Blu-rays.
Edler, robuster Look, piekfeine Verarbeitung: Der Top-Player von Onkyo glänzt mit Haptik, nicht mit Ausstattung. Trotzdem hat er alles Interessante an Bord, spielt auch 3D-Blu-rays und bietet einen zweifachen HDMI-Ausgang.
Universal-Spieler mit Vollausstattung: Yamahas neue Wunderwaffe reiht sich ein in die Aventage-Serie und glänzt mit AV-Streaming-Client. Der 1010 spielt sogar SACD und DVD-Audio. Neben Stereo bietet er Analogausgänge mit 7.1 Kanälen.
Clever gegen Smart
Die Philosophie von Yamaha scheint einer entgegengesetzten Richtung zu folgen. Die Verarbeitung des BD-A 1010 wirkt im Vergleich mit dem Onkyo schlicht, wenn auch nicht billig. Das Design passt sich der aktuellen Verstärkerserie Aventage an. Dafür besitzt der 1010 alle nur erdenklichen Features, die ein Player heute haben kann, mit Ausnahme von integriertem WLAN und einem doppelten HDMI-Ausgang.
Das Gerät liefert sämtliche aktuellen analogen und digitalen Schnittstellen bis hin zu 7.1-Audio und verarbeitet neben den gängigen Scheiben auch die älteren HD-Audio-Medien DVD-Audio und SACD, die ebenso als hochauflösendes Digitalsignal per HDMI zur Verfügung stehen. Der DSD-Datenstrom der SACD kann an Amps, die das nativ verarbeiten, direkt ausgegeben werden, alle anderen erhalten eine verlustfreie Konvertierung nach PCM mit sagenhaften 176,4 kHz und 24 Bit.
Auch der Streaming-Client, den die Yamaha-Ingenieure integrierten, zeigt sich vielseitig. Alle gängigen datenreduzierten Audio- und Videoformate spielte der Player klaglos vom Netzwerk oder einer Festplatte via USB. Überdies erkennt die Schnittstelle NTFS-formatierte Platten; so können auch ausgewachsene HD-Videos wiedergegeben werden. Einziger Wermutstropfen: Der Japaner gibt gestreamte Bilder nur mit 50 oder 60 Hertz wieder, 24 Hertz kennt er nicht.
Erstaunliche Ähnlichkeiten weisen die Fernbedienungen der zwei Gegenspieler auf. Sie erleichtern mit vergleichsweise wenigen Tasten und aufgeräumten Layouts die Handhabung. Ebenfalls ähnlich wirken die Konzepte für die Konfiguration. Beide Setup-Menüs sprechen nach korrekter Einstellung klares Deutsch und zeigen am unteren Rand einen erklärenden Text zum ausgewählten Parameter an. Zudem legen beide Hersteller ihren Playern eine Kurzanleitung für Verkabelung und erste Inbetriebnahme in die Packung. Etwas widersprüchlich: Yamahas Schnelleinrichtungs-Menü muss man als Unterpunkt des Experten-Menüs aufrufen.
Die Ausstattungs-Tabelle
Im Gebrauch und auch mit der Stoppuhr stellt sich klar der Yamaha als der schnellere heraus, egal ob beim Einlesen oder beim Navigieren durch Java-Menüs komplex programmierter Blu-ray Discs. Nur an einer Stelle kommt er nicht hinterher: Viele Youtube-Videos ruckelten, und das konnte nicht am Internet liegen, denn der verwendete Zugang bietet 30 Megabit pro Sekunde. Hier muss wohl die Firmware noch nachgebessert werden.
Die Streaming-Clients beider Player stellen komfortable Extras dar, erfüllen aber mangels Flac- oder Apple-Lossless-Fähigkeiten kaum audiophile Ansprüche, wie sie Yamaha mit einem auf der Front schaltbaren „Pure Direct“ suggeriert: Hier wird wahlweise nur das Display oder zusätzlich die komplette Videosektion abgeschaltet. Einen signifikanten Klangfortschritt konnten die Tester allerdings nicht nachvollziehen. Die Verbesserung lag an der Wahrnehmungsgrenze.
Quasi gleichauf lagen die Kandidaten wieder beim Check der Vollbildumrechnung und Pixelvermehrung. Beide Player zeigten wunderbar ruhige Bilder mit feinen Details von Blu-ray. Und der Yamaha demonstrierte einmal mehr, wie toll heute eine schnöde DVD auf einem hochauflösenden Display strahlen kann.
An dieser Stelle verschenkt der Onkyo einen Punkt: Obwohl sein ausgezeichneter Qdeo-De-Interlacer/Scaler sein Bestes gibt, bleibt die Bildschärfe von DVD vertikal beschränkt, weil der Video-Decoder hier nicht ganz sauber arbeitet. Das ergibt etwas softe Bilder. Beide Player erlauben weitgehend, das Videosignal zu beeinflussen, beim Yamaha bis hin zur Farbraumkorrektur.
Blu-ray-Player von Onkyo und Yamaha
1 von 12Onkyo BD-SP 809
Der vermeintliche Luftauslass für einen Ventilator dient nur lautloser passiver Kühlung. Die zwei HDMI-Ausgänge arbeiten parallel oder Bild und Ton separat.
© Julian BauerKlang-Check
So unterschiedlich sich die zwei Player bis hierher gaben, so weit auseinander lagen sie auch im Klang. Bei digitaler Verbindung lieferten beide das Niveau, das man heute von digitaler Übertragung erwartet. Hochauflösende Aufnahmen wie etwa die Pure-Audio-Blu-rays des Labels 2L mit bis zu 192 kHz in Surround spielten seidig sanft, kristallklar ortbar und sehr detailreich. Tendenziell wirkte der Onkyo etwas dunkler, der Yamaha malte tonal ein helleres Bild. Der Eindruck verstärkte sich noch bei niedriger aufgelösten Aufnahmen, sprich: wenn CDs im Laufwerk ihre Runden drehten.
Versuche mit dem Yamaha, einen Unterschied zwischen SACD-Wiedergabe als DSD-Datenstrom oder umgerechnetem PCM auszumachen, ergaben ein Patt, weil der Prozessor die Konvertierung offenbar sehr gut macht. Wer keinen DSD-tauglichen Verstärker besitzt, möge also PCM nutzen.
Wie schon oft verstärkten sich die mit der digitalen Übertragung gefundenen Charaktere bei der analogen Ausgabe nochmals erheblich. Der BD-SP 809 bietet nur einen Stereo-Cinch-Ausgang, der BD-A 1010 ein dezidiertes Stereo-Paar plus ein 7.1-Oktett. Ein direkter Vergleich war also nur zweikanalig möglich.
Hier klang der Onkyo im ersten Moment signifikant audiophiler und ruhiger, seine Raumabbildung war weit und tief, Instrumente und Stimmen separierte der Player klar. Der Yamaha tönte beim direkten Umschalten beinahe metallisch hell, und die Raumabbildung brach fast zusammen, die Schallereignisse schienen zwischen den Lautsprechern wie an einer Perlenschnur aufgereiht zu sein. Hörten die Tester aber länger und verglichen mit diversen Referenzen, so schälte sich heraus, dass eher der Yamaha als der Onkyo die Füße mit musikalischem Zusammenspiel und dem richtigen Groove zum Mitwippen animierte, auch wenn der BD-SP 809 offensichtlich gefälliger klang.
Die Zuhörer hatten also die Wahl zwischen mehr Raum und Klangfarben (Onkyo) oder hellerem, flacherem, dafür musikalischerem Klang (Yamaha). Der Mehrkanal-Ausgang des Letzteren zeigte den gleichen Charakter, nur die Raumabbildung gewann natürlich deutlich.
Fazit
Diese Player sind grundverschieden – und beide gut. Der Onkyo BD-SP 809 glänzt mit überdurchschnittlicher Verarbeitung und ist frei von Schnickschnack. Der doppelte HDMI-Ausgang macht ihn zum Retter für manch guten alten Amp im 3D-Zeitalter. Er klingt angenehm relaxt, dezent und schön räumlich.
Der Yamaha BD-A 1010 glänzt als Universal-Player für alle Medien von SACD über Blu-ray bis Youtube. Sein knackscharfes Bild und der musikalische Klang finden sicher viele Freunde.
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